Antigua und Barbuda (17.03 – 22.03-2016) 2


Gestern Abend wurde es noch sehr voll hier in der Bucht in Deshaies. Immer wieder kamen neue Boote an und die letzten ankern nun schon ziemlich weit draußen in tieferem Wasser. Gegen 9 Uhr sind wir nach Antigua aufgebrochen. Auch heute ist es bewölkt, was die Temperaturen erträglicher macht. Wie meist um die einzelnen Inseln herum, bläst es um das nördliche Ende von Guadeloupe etwas mehr, so dass wir ein Reff in beiden Segeln haben. Heute probieren wir zum ersten Mal unsere Windsteuerung wieder aus, nachdem wir aus Hamburg neue Teile mitgebracht haben. Funktioniert super!! Wir hätten eigentlich auch den Watt&Sea montieren sollen, da wir mit unseren Solarzellen die letzten Tage nicht so viel Strom geladen haben, da es so viel geregnet hat und bewölkt war. Zuerst waren wir etwas unentschlossen, ob wir auf Antigua in den English Harbour oder nach Falmouth Harbour gehen sollen. Als ich aber heute morgen vor der Abfahrt nochmal kurz unsere eMails gecheckt habe, habe ich entdeckt, dass der andere Enno, der auch mit der ARC gesegelt war, eine Mail geschickt hatte, dass sie mit Skip in Falmouth Harbour liegen. Da es keinen Unterschied macht, was das Einchecken betrifft, gehen wir dahin. Im Yacht-Club liegen riesige Segelboote, ein Katamaran und auch ein Trimaran; ausserdem auch noch ein paar Monster-Motoryachten. Unglaublich wie viel Geld manche Leute haben. Wir legen uns in die riesige Ankerbucht mitten zwischen dem Yacht-Club und dem Katamaran-Hafen auf der anderen Seite. Hier ist es überall unter 10 Meter tief und wir ankern auf knapp 7 Metern. Kurz hinter uns ist eine flache Stelle auf der Seekarte eingezeichnet, aber davon sind wir weit genug weg. Da es schon nach 16 Uhr ist, können wir erst morgen einchecken und dürfen erstmal nicht an Land. Von Antigua haben wir ein paar Geschichten gehört, dass die hier sehr streng sind und nur der Skipper an Land darf, um einzuklarieren. Als Enno mit dem Fernglas Skip am Steg zusammen mit den Riesenjachten entdeckt, beschließen wir mit dem B hinzufahren, da die Morgen schon weiter wollen. Ausser Enno und Rainer, die wir schon von Las Palmas kennen ist nun noch Heiko mit an Bord. Und dann erzählen sie uns, dass sie Motorprobleme haben und hier noch länger liegen müssen. Ersatzteile sind bestellt und sollen am Freitagabend kommen. Da der Zoll aber am WE zu hat, bekommen sie die Teile frühestens am Montag. Blöd!! Wir machen aus, dass wir am nächsten Abend zusammen was Essen gehen. Am nächsten Tag fahren wir mit dem B an Land um einzuchecken. Ich bin doch mit, aber ich geh nicht mit zum Zoll sondern kundschafte schon mal die Läden aus. So der Plan. Als wir dann aber am Dinghy-Dock vom Yachtclub festmachen (das eigentlich nur für Mitglieder ist. Erst wollten sie uns verjagen, aber dann dürfen wir doch festmachen…) entdecke ich, dass ich meine Schuhe an Bord vergessen habe. Während Enno dann zum Zoll marschiert fahre ich zurück zu Inua und hole meine Schuhe, danach mache ich am Dinghy-Dock vom Hafen fest. Hier ist man eigentlich auch nicht erwünscht, aber man darf fürs Einklarieren festmachen. Gleich am Steg setzte ich mich ins “Seabreeze” und bestelle mir einen Kaffee. Nach einer weile kommt Enno zurück. Er erzählt, dass es hier sehr bürokratisch zugeht, aber dass alle nett waren. Skip hatten einen Anschiss bekommen, da sie erst am Tag nach ihrer Ankunft nachmittags eingecheckt hatten. Da hatten wir uns schon darauf eingestellt, dass es hier etwas ruppiger zugeht… Nachdem Enno auch einen Kaffee hatte, und ich mich nun offiziell an Land bewegen darf, machen wir uns auf den Weg in den English Harbour. Die beiden Häfen sind nur durch eine dünne Landzunge voneinander getrennt. Nelson’s Dockyard ist schön restauriert. Überall stehen alte Kanonen rum und in den alten Gemäuern gibt es nun Restaurants, Segelmacher, Bootsläden und die coolste Bäckerei, i der ich je drin war. Wir kaufen uns zwei Schneckennudeln, die mit Blaubeeren und Guave gefüllt sind und genießen sie im Schatten unter einem Baum. Viele verschiedene Vögel fliegen umher und es ist sehr gemütlich. Abends gehen wir mit der Mannschaft von Skip in einem netten Restaurant essen. Ein lustiger Abend. Am nächsten Tag versuchen wir mit dem B einen Anlegeplatz im Katamaranhafen zu finden, aber wie es aussieht ist es nicht vorgesehen, dass man hier mit dem Gummiboot ankommt. Eigentlich wollten wir in den Supermarkt, der nicht weit vom Hafen weg sein soll, aber da wurde dann nichts draus. Wir sind stattdessen noch mal auf die andere Seite und haben uns mit frischem Obst und Gemüse an einem Marktstand eingedeckt. In einem kleinen Laden am Hafen haben wir noch ein Brot gekauft. Am nächsten Morgen sind wir weiter nach Deep Bay (Tiefe Bucht), in der es allerdings nicht tiefer als 6-7 Meter ist?!? Um Antigua herum ist es nicht tief und wir segeln inmitten von klarem türkisen Wasser und sehen oft sogar den Grund. Mitten in der Einfahrt zur Bucht sieht man den Mast von einem Segelschiff (Andes), das 1905 dort gesunken ist, aus dem Wasser ragen. Auch die Umrisse des Schiffes kann man erkennen. Wir ankern in 3 Metern Tiefe. Vor uns liegt ein langer weisser Sandstrand, auf dem Berg auf unserer Backbordseite sieht man noch die Ruinen von einem alten Fort. Das Wasser ist türkisgrün und immer wieder tauchen Schildkröten auf, um Luft zu schnappen. Ein Paradies, wären nicht die Tausend Stubenfliegen, die sich innerhalb kürzester Zeit unter Deck breit machen. Die sind etwas nervig, aber zum Glück schlafen die nachts auch und stören da wenigstens nicht. Es bläst mit um die 20 Knoten den ganzen Tag, aber nachts ist es ruhig. Abends sind wir noch mit dem B zum Wrack gefahren, um es genauer anzuschauen, aber das Wasser ist so trübe, dass man nicht mal mehr die Umrisse erkennen kann. Als wir am nächsten Morgen einen neuen Versuch starten, sind die Umrisse wieder zu sehen und der Bugsprit liegt nur einen knappen Meter unter der Wasseroberfläche. Der Mast ist mit vielen Muscheln übersäht und sieht aus wie Waschbeton. Vom Rumpf sind nur noch die Spanten übrig, wahrscheinlich ist das meiste vom Rumpf verbrannt, bevor es gesunken ist. Das Schiff war mit Pech beladen und als die Mannschaft Rauch aus dem Mast kommen sehen hat, wollten sie in St. John’s Harbour (nur eine Bucht weiter) einlaufen, haben aber keine Genehmigung erhalten, wegen ihrer feuergefährlichen Ladung. Also haben sie hier geankert und als sie die Ladeluken geöffnet haben, um das Feuer zu löschen hat das noch mal eine extra Ladung Sauerstoff bekommen und das ganze Schiff stand in Flammen. Zum Glück ist es nicht weit an Land, so dass die Mannschaft hoffentlich überlebt hat. Wir fahren auch noch an Land, lassen das B auf dem Strand liegen und machen uns auf den Weg zur Ruine. Von hier oben aus hat man eine klasse Aussicht und wir entdecken auch warum es so viele Fliegen hier hat. Nicht weit vom Strand weg liegt ein kleiner See, der wohl die Brutstätte der Plagegeister ist. Nach 2 Tagen segeln wir weiter nach Barbuda. Das ist eine Insel, die noch zu Antigua gehört und 30 nautischen Meilen weiter im Norden liegt. Dieses Mal haben wir sowohl die Windsteuerung als auch den Watt&Sea in Betrieb. Leider haben wir etwas Schräglage, so dass der Watt&Sea öfter mal aus dem Wasser kommt und nicht so viel Strom produziert – wenigstens machen wir kein Minus. Wir bekommen einen heftigen Squall ab, aber nur den Wind, nicht den Regen. Auf der ganzen Tour ist das Wasser nicht tiefer als 30 Meter, oft noch weniger, es ist klar und türkis. Wahnsinn!! Mitten auf der Strecke kommt uns Antares entgegen und wir rufen sie über Funk. Die hatten uns noch gar nicht entdeckt. Die lagen schon ein paar Tage auf Barbudas und sind auf dem Weg zurück in einen Hafen, da sie mal wieder ins Internet wollen. Nachdem sie uns eine tolle Ankerbucht beschreiben, ändern wir unseren ursprünglichen Kurs und segeln in die Ankerbucht bei Cocoa Point. Das erste Zeichen, dass man sich Barbuda nähert ist, dass die Unterseite der Wolken über dem Land eine türkise Farbe haben. Barbuda ist total flach und Land sieht man erst, als man schon fast drauf ist. Die Einfahrt in die Bucht ist mit vielen Riffen übersäht und im Guide steht, dass man sich nicht auf die Seekarte verlassen soll. Zum Glück ist das Wasser hier so klar, dass man alles gut erkennt. Wir sehen schon einige Schildkröten, bevor wir auf knapp 6 Metern ankern. Außer uns sind noch 2 andere norwegische Boote da. Zur Abkühlung hüpfen wir erstmal ins Wasser, das tut gut! Beim Segeln ist es schon immer heiss und wir sitzten mehr in der Sonne, als wenn wir vor Anker liegen. Wir wechseln uns unterwegs immer ab und gehen unter Deck, so dass jeder mal eine Sonnenpause bekommt. Hier sieht es endlich so aus, wie man sich die Karibik immer vorstellt. Flaches Land, Sandstrand so weit das Auge reicht, Palmen und türkises klares Wasser. Viele Schildkröten, die um uns herum schwimmen. Es ist unglaublich schön hier Als wir eine Kleinigkeit gegessen haben machen wir unser B klar um zu schauen, wer die anderen Norweger sind. Das erste Boot ist Friskus (ein Paar mit 3 Kindern, die auch bei der ARC dabei waren. Zu denen hatten wir noch keinen richtigen Kontakt vorher. Wir reden eine Weile und erfahren, dass vor ein paar Tagen noch 2 Norweger hier waren: Vitess haben wir in der Tyrrel Bay getroffen und Carisma, die wir noch nie getroffen haben. Außerdem erfahren wir, dass das andere Boot Lea ist. Mit Teilen der Mannschaft von Lea saßen wir an Weihnachten zusammen bei Shoshana B an Bord. Als wir uns nähern, entdeckt Enno, dass die gerade baden und nackt sind. Da wollen wir nicht reinplatzen und denken uns, dass wir eine kleine Runde an den Strand gehen. Aber so weit kommen wir nicht, da wir ins Gespräch mit dem nächsten Boot kommen. Es ist in Südafrika registriert und Enno fragt die Dame an Bord auf englisch, ob sie von dort gesegelt ist. Sie hat uns wohl deutsch reden hören, jedenfalls antwortet sie auf deutsch. Wir reden eine Weile, sie heisst Silke (Ocean Maiden) und ist alleine mit ihrem Kater Scar unterwegs. Von ihr haben wir schon gehört, können uns nur nicht erinnern, wer uns über sie erzählt hat. Shoshana vielleicht? Als wir nach einer Weile wieder ablegen sind alle an Bord von Lea wieder angezogen und wir machen uns auf den Weg. Ein freudiges Wiedersehen und dieses Mal ist auch Anne mit an Bord, die über Weihnachten zu Hause in Norwegen war und arbeiten musste. Reidun und Eren sind auch an Bord. Sie laden uns gleich ein und wir bekommen ein Bier. Kurze Zeit später taucht dann auch Silke auf, um Abschied von den Lea-Damen zu nehmen, da die morgen weiter segeln. Zum Essen werden wir dann auch noch gleich eingeladen. Ein lustiger Abend. Bin schon gespannt, wann wir Lea das nächste Mal treffen. In der ganzen Bucht hier liegen nur 6 Segelboote, ein Cabin Cruiser und dann kam noch so eine Monster- Motorjacht gestern Abend. Wir hatten einen tollen Sonnenuntergang und haben seit langem Mal wieder einen “green flash” gesehen.


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2 comments on “Antigua und Barbuda (17.03 – 22.03-2016)

  • MuPa

    Wieder ein sehr spannender Bericht. So kann man die Osterfeiertage auch verbringen. Wir wünschen Euch weiterhin alles Gute!

    Liebe Grüße
    MuPa

  • Wolfgang

    Es ist immer wieder ein Vergnügen, eure Reiseberichte zu lesen. In der letzten Ausgabe der “Yacht” gab es einen Törnbericht über die Karibik. Gegenüber euren Erlebnissen war der aber geradezu langweilig. Wir freuen uns schon auf den nächsten Blogeintrag.
    Windige Grüße aus Spiekeroog
    Amélie, Gudrun, Mia & Wolfgang