Irland: Kilmore Quay – Arklow – Dun Loaghaire – Skerries Bay 3


Nach der Aufregung mit der undichten Seewasserpumpe konnten wir zum Glück am nächsten Morgen wie geplant um 6 Uhr nach Kilmore Quay starten. Es ist ein meist sonniger Tag mit nur 2-3 Regenschauern. Anfangs hatten wir wenig Wind, der dann aber im Laufe des Tages auf 22-23 Knoten aufgefrischt hat. Es hat Unmengen von Fischerbojen, die man bei den Wellen oft erst im letzten Moment sieht, um ihnen auszuweichen. Die Einfahrt nach Kilmore Quay ist sehr spannend: von der Strömung werden wir heftig abgetrieben, so dass der Bug mitten auf die Mole zielt, während wir in Wirklichkeit auf die Öffnung zusteuern. Da hier ein schmaler Kanal ausgegraben wurde, um die Einfahrt tief genug zu machen, steuert man nach Richtfeuern. Das sind 2 Markierungen an Land oder im Wasser, die sich aufeinander projizieren müssen – dann ist man auf dem richtigen Weg. Direkt an der Einfahrt erwischt uns dann noch mal ein ordentlicher Regenschauer. Im Hafen liegen an einem Steg schon jeweils 2×2 Boote aneinander. Am anderen Steg liegt eine große blaue Oceanis (L´Hirondelle), an die wir uns dran legen. Sieht so aus, als ob da niemand an Bord ist. An den festen Kai´s im ganzen Hafen liegen Fischer- oder Krabbenboote vertäut. Schon auf dem Weg zum Hafenmeister entdecken wir 2 Seehunde, die sich im Hafenbecken tummeln und sich fotografieren lassen.

Kilmore Quay Kilmore Quay

Mal wieder im Cockpit in der Sonne frühstücken ist super! Zwar ist der Wind recht kühl, aber da der von vorne kommt, sitzen wir unter dem Sprayhood völlig im Windschatten. Wir machen einen Spaziergang durchs Dorf, vorbei an einem „Memorial“ Denkmal, das aller auf See umgekommener Menschen gedenkt. Sehr hübsch angelegt. Wir gehen den Weg weiter und finden uns bald inmitten von Sanddünen wieder. Enno fühlt sich in seine Kindheit zurückversetzt, für mich ist es etwas Neues.

Kilmore Quay Kilmore Quay

Kilmore Quay

Zurück im Dorf gehen wir in einem Café einen Tee trinken- muss man ja schließlich auch mal ausprobieren. Die Iren sind ja auch eine Teetrinker-Nation. Außerdem hat es endlich mal wieder Internet in diesem Café. Wir laden ein neues Wetter herunter und beginnen zu planen, wie wir weitersegeln. Von nun an müssen wir ja auf die Strömung achten, die zum Teil echt heftig sein kann. Es macht einen großen Unterschied, ob man 3 Knoten Mitstrom (5+3=8 Knoten Fahrt) oder 3 Knoten Gegenstrom (5-3=2 Knoten Fahrt) hat. Für morgen ist viel Wind angesagt, so dass wir lieber noch einen Tag im Hafen bleiben. Wir planen mal, am Dienstagmorgen um 5 Uhr in Richtung Arklow zu starten. Das sind 50 Seemeilen und die müssten wir eigentlich in einem Strömungszyklus schaffen – nach 6 Stunden dreht der Strom ja um…

Am Nachmittag tut sich was auf dem Nachbarboot, an dem wir vertäut liegen. 3 Iren sind an Bord, die am nächsten Morgen um 6 Uhr auslaufen wollen. Da inzwischen der Platz hinter denen frei ist, parken wir Inua gleich um. Wir kommen ins Gespräch und sie fragen, ob wir Lust hätten mit Essen zu gehen am Abend. Zu dem Restaurant kommt man mit einen Shuttle-Bus. Wir gehen mit und es wird ein netter Abend. Die 3 sind eine Überführungscrew, die das Boot ins Mittelmeer überführen sollen. Nette Leute aus Dublin. Wir bekommen noch ein paar gute Empfehlungen, wo wir lang sollen, in welche Häfen usw. In 2 Wochen sind die 3 zurück in Dublin und sie fragen, ob sie uns da noch antreffen. Aber da sind wir schon lange weiter, schade. Zum Abschluss gibt es noch einen (lecker NESPRESSO!!)- Kaffee an Bord von L’Hirondelle. Da ist schon mehr Platz an Bord. Sogar eine Spül- und Waschmaschine sind eingebaut. Inua ist trotzdem schöner und auch praktischer, was die Überfahrten angeht. In der Kombüse kann man sich z.B. nicht richtig einkeilen, da es zu viel Platz hat, was bei Seegang echt wichtig ist. Dafür geht’s auf einem großen Schiff natürlich schneller und es ist wahrscheinlich auch nicht so viel Bewegung im Boot.

Kilmore Quay

Nachdem wir abends noch 2 Dieselkanister in den Tank umgefüllt haben und Inua klar gemacht haben, versuchen wir möglichst früh schlafen zu gehen. Um 4:30 Uhr klingelt der Wecker und um 5 Uhr sind wir unterwegs. Frühstück gibt es mal wieder auf See. Als wir um die südöstliche Kante von Irland kommen, bekommen wir 9 Knoten Fahrt über Grund und es strudelt heftig. Vor der Küste hier haben sich einige Sandbänke abgelagert. Wir halten uns zwischen denen und dem Land, da ist es sehr angenehm, was die Wellen betrifft. Auf der größten Sandbank ist ein Windpark installiert. Arklow liegt, wie schon andere Städte vorher, an einer Flussmündung. Die Marina ist total klein, aber für Gästeboote gibt es einen langen Schwimmsteg an der Flussmauer entlang. Hier gibt es kein Marina Office und wir fragen einen Mann auf einem der anderen Boote, wie man sich hier anmeldet oder bezahlt, und erfahren, dass abends jemand vorbeikommt, der kassiert. Wir machen uns erstmal auf, um die Stadt anzuschauen. Dazu müssen wir über eine Brücke, um auf die andere Seite des Flusses zu kommen. Hier ist ganz schön viel Verkehr, eine richtige Fußgängerzone gibt es nicht, aber an der Hauptstrasse hat es viele kleine Läden. Ist ganz nett hier, aber nichts besonderes. Als wir zurück an Bord sind, dauert es nicht lange, bis der Kassierer kommt. 30€ will der von uns – für einen Steg, bei dem man, um an Land zu kommen, auf die „Gangway“ klettern muss. Dafür ist Wasser, Strom und Duschen umsonst. Wahrscheinlich liegen deshalb so viele Boote an Mooringsbojen, da die Gebühren in den Häfen für viele zu teuer sind. Auch hier im Fluss ist alles voller Mooringsbojen. Das beste an Arklow ist ein Aldi – fühlen uns wir daheim in Deutschland, obwohl es andere Dinge hier zu kaufen gibt.

Arklow Arklow

Arklow

Am nächsten Morgen sind wir um 7 Uhr los, kein Wind, plattes Wasser. Außer einem Haufen Fischerbojen sehen wir auch viele Vögel und Seehunde. Es ist etwas nervig, wenn man an der Küste lang segelt, dass dauernd einer Ausschau nach diesen Fischerbojen halten muss. Zum Teil sind die so schlecht sichtbar, dass man sie erst im letzten Moment entdeckt. Die Fischer benutzten auch wirklich alles Mögliche, um ihre Netze, Körbe, oder was auch immer, zu markieren. Orangenfarbene Bojen sieht man am besten, aber manche benutzen auch dunkelblaue oder schwarze Kanister, die sich kaum vom Wasser abheben. Oder durchsichtige Flaschen und weiße Kanister, die man dann nicht von Schaumkronen unterscheiden kann, bis man sie fast vor der Nase hat. Einige Vögel haben wir auch schon als Fischerbojen im Visier gehabt, aber die haben dann einfach irgendwann abgehoben oder sind abgetaucht. Seehunde sehen im ersten Moment auch aus wie schwarze Kanister…

Dun Laoghaire

weisse Kanister als Fischerboje 🙁

Laut der Empfehlung der Überführungscrew gehen wir an der Innenseite von Darkley Island vorbei, kurz bevor wir nach Dun Laoghaire (sprich Dan Liiri) kommen. Da hat es tolle Häuser, Burgen und ein paar Ruinen direkt an der Küste. Vor der Hafeneinfahrt sind bestimmt hundert Jollen, Laser, Opti und RS Fevers unterwegs. Sieht toll aus. Die Hafeneinfahrt ist auch schön mit ihren hübschen, alten Leuchtfeuern. Der Hafen selbst ist riesig und wir legen erstmal längs an einem Steg an. Enno muss fast eine Wanderung machen, um zum Marina Office zu kommen. Wir bekommen einen Platz weiter innen zugeteilt, dafür kostet es hier 34€ – es wird immer besser 🙁

Dun Laoghaire Dun Laoghaire

Dun Laoghaire Dun Laoghaire

Da wir schon früh angekommen sind, ist noch genug Zeit die Stadt zu erkunden. Hier ist es schön und gepflegt. In einem Bootladen kaufen wir uns zwei Segelbücher/Segelguides für Schottland, nach denen wir schon eine Weile gesucht haben. Am nächsten Tag wachen wir schon früh auf und kommen mit der Dart-Bahn (hat nichts mit diesen schnellen Pfeilen zu tun, ist eine normale S-Bahn) schon so früh in Dublin an, dass die Läden noch geschlossen haben. Es gibt wie erwartet Pub´s an jeder Ecke, oft sogar ein Pub nach dem anderen auf beiden Strassenseiten; viele alte Gemäuer, die meisten gut erhalten. Eine Fußgängerzone wie die Königsstrasse in Stuttgart. Da wir irgendwie keine Großstadtmenschen sind, haben wir nach 4 Stunden genug gesehen und fahren zurück nach Dun Laoghaire. Die Fahrt mit der Dart-Bahn war übrigens nicht teuer 6,15€/Pers Hin- und Zurück.

Dublin Dart Dublin

Dublin Dublin

Dublin Dublin

Da wir so früh wieder zurück sind und es mit der Strömung passt, beschließen wir heute noch ein Stück weiterzusegeln. Der Vorteil ist, dass es dann Morgen keine so lange Tour wird und wir an beiden Tagen die Strömung optimal nutzen können. Die Sonne scheint und wir können anfangs sogar segeln. Dann wird der Wind weniger und wir werfen den Motor an. Auf der Nordseite Insel Lambay soll man gut ankern können, haben wir von einem unserer Seglerfreunde, die hier letztes Jahr schon durch sind, erfahren. Die Insel ist ein Vogelschutzgebiet und es sind Millionen von Vögeln, die in den steilen Klippen nisten. Es ist genial. Leider erweist sich der Ankerplatz als unbrauchbar. Als wir auf der 2-Meter-Linie an der Küste lang fahren hat es immer noch 5 Meter (ist aber Ebbe und sollte nur 40cm über Niedrigwasser sein, also 2,4 Meter?!?). Die Karte stimmt irgendwie nicht, wir müssten viel zu dicht an Land ankern. Außerdem hat es heftige Fallwinde. Gefällt uns nicht. Zum Glück hat Enno immer noch einen Plan B in petto. Wir segeln noch mal ein paar Meilen weiter und ankern in der Skerries Bay. Der Ankerplatz erinnert etwas an die Karibik, da hier schon einige andere Boote, allerdings an Mooringbojen, liegen. Wir ankern auf 5,5 Metern Tiefe, lassen aber unsere 40 Meter Kette ganz raus, da jetzt Ebbe ist und der Wasserstand um 4 Meter steigen soll. Wir schaffen es gerade noch, bevor es dunkel wird. Die Nacht wird aufregend, denn um Mitternacht geht der Ankeralarm zum ersten Mal los. Der Wind hat gedreht und die Aufzeichnung unserer Bootbewegungen auf der Logge sieht nicht aus wie sonst (bananenförmig), sondern wir bewegen uns in einem Zick-Zack-Kurs immer weiter vom Anker weg. Wir waren nicht sicher, ob der Anker noch fest sitzt, deshalb starten wir den Motor und ziehen die Kette noch mal in der jetzigen Windrichtung fest. Hält aber alles!! Leider stellen wir den Ankeralarm nun etwas zu knapp ein, denn er geht noch 2x als falscher Alarm los in dieser Nacht. Morgen geht es weiter nach Nordirland.


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3 comments on “Irland: Kilmore Quay – Arklow – Dun Loaghaire – Skerries Bay

  • Elke Rodegerdts

    An Irlands Küste werden Euch alle Seglerkniffe abverlangt. Ist richtig spannend zu lesen, wie Ihr damit fertig werdet. Auf jeden Fall ein sehr interessantes Land.
    Wir sind schon gespannt auf Schottland und wünschen Euch viel Seglerglück,
    Ilka und Elke-Mami

  • Mia, Amelie, Gudrun und Wolfgang

    Mittlerweile seid ihr als Überführungscrew der Inua ja auch weit gekommen. Weiterhin gute Fahrt.