Andenes – Dunøyene (Spitzbergen) 25.6.-28.6. 2


Am Bunkringskai in Andenes war noch ein polnisches Segelboot zum tanken vor uns. Leider gab es keine Möglichkeit Wasser aufzufüllen oder den letzten Müll loszuwerden. Enno und Rolf basteln noch eine Stabilisierung für die HF-Antenne. Enno vergisst allerdings die Antenne wieder anzuschliessen. Gegen 13 Uhr waren wir fertig, haben noch Burger gegessen und dann ging’s gegen 14 Uhr los. 

Um Andenes herum ist es sehr flach, so dass wir die erste Stunde mit dem Motor direkt gegen den Wind müssen, bevor wir segeln können. Leider waren auch die Wellen ziemlich hoch, so dass es ein ziemliches Gestampfe war. Ziemlich unangenehm. Unser auf dem Vordeck befestigtes Solarpanel können wir gerade noch unter Deck retten, das würde die lange Tour nach Spitzbergen dort auf dem Vordeck nicht überleben. Sobald wir Segel gesetzt hatten, hat Inua ordentlich Schräglage bekommen, das Gestampfe wurde etwas weniger, aber so richtig angenehm war es nicht. Nach einer Weile haben wir die Segel gerefft, dann wurde es etwas weniger Schräglage. 

Wir entdecken einige Dinge, an die wir hätten denken sollen, bevor wir abgelegt haben. Die Gennackerfall ist am Bugsprit eingehängt, das kann ein Riesenproblem werden, wenn sich die beim Aus-oder Einrollen vom Vorsegel um den Vorstag wickelt. Aber es ist so viel Bewegung im Boot, dass es nicht machbar ist etwas auf dem Vordeck zu machen. Inua geht rauf und runter zwischen den Wellen, platscht mit Wucht aufs Wasser und eine Salzwasserflut spült jedes Mal übers Deck bis ins Cockpit. Es kommt so viel Wasser übers Deck, dass das x-mal hin und her schwappt, bevor es abgelaufen ist, aber da kommt dann schon die nächste Welle übers Deck und füllt das abgelaufene Wasser wieder auf. Gut, dass wir nicht vergessen haben den Tankdeckel wieder zu zu machen, denn sonst hätten wir jetzt Salzwasser im Diesel.

Die Schoten für den Gennacker haben wir vorne am Bug befestigt, was dazu führt, dass die vom vielen Wasser, das übers Deck kommt langsam aber sicher immer mehr lose werden und ins Wasser durchhängen. Blöd, wenn wir die im Wasser mitschleppen, das bremst uns. 

Ein paar Luken hätten wir dichter zuschrauben sollen. In den hinteren Luken ist das nicht so schlimm, da läuft das Wasser wieder raus am Heck. Aber plötzlich hat Enno entdeckt, dass das Fach für die Gasflaschen offen steht, randvoll mit Wasser und die Reservegasflasche schwimmt schon. Das Fach hat auch einen Abfluss, aber diese Wassermengen sind hoffnungslos…

Ein Tau, dass am Mast aufgeschossen war, hat sich gelöst und war auch auf dem Weg über Bord, aber wie durch ein Wunder hat sich das um eine Klampe gelegt und war dadurch fixiert. In der zweiten Nacht haben wir entdeckt, dass sich eins der Solarpanele, die wir an der Reling befestigt haben, lockert. Zwei der vier Kabelbinder waren durchgescheuert und die mussten wir sofort erneuern und zusätzlich mit Draht sichern. Da immer so viel Bewegung im Boot ist, ist es nicht ganz ungefährlich solche Sachen ausserhalb vom Cockpit zu machen. Im Cockpit sind wir die ganze Zeit eingehakt und auch wenn wir aus dem Cockpit raus müssen haken wir uns an einer Sicherheitsleine ein, um nicht über Bord gespült zu werden. Bei solchen Aktionen sind wir immer mindestens zu zweit oben. Ansonsten haben wir eine Wachordnung von 3 Stunden, das ermöglicht jedem 6 Stunden Schlaf zwischen den Wachen. Das ist sehr angenehm.

Ausserdem hatten wir die Lüftung im vorderen Bad nicht zugedreht, was dazu führte, dass da schon das Wasser stand als ich zum ersten Mal auf Tö musste. Zum Glück ist nichts rausgelaufen, Inua hatte Schräglage in der passenden Richtung. Das hätte auch anders laufen können. So war es einfach das Wasser mit der Pumpe für die Dusche rauszupumpen, Heizung an und ruckzuck war alles wieder trocken. Viele Kleinigkeiten, an die wir nicht gedacht haben, die aber irgendwie Stress waren, weil man nicht wusste wie sich die Sache entwickelt, oder wann die See ruhiger wird, so dass man es in Ordnung bringen kann.

Eine Nacht musste Rolf unsere Flagge retten, die sich an der Aufhängung durchgescheuert hatte und zum Glück noch auf der Badeplattform lag. Die Flagge hätten wir auch besser abgenommen vor der Abfahrt, jetzt ist sie auch ziemlich ausgefranst.

Auf dem Weg nach Andenes habe ich Essen für 2 Tage vorgekocht und auch einen Brotteig angesetzt. Aber keiner (!) hat Lust auf was zu Essen die ersten beiden Tage. Enno und ich haben beide eine Reisetablette genommen, Rolf hat ein Pflaster hinterm Ohr, das verhindern soll, dass man seekrank wird. Es ist echt so viel Bewegung im Boot, dass man eigentlich nichts machen kann in der Küche… schon das fertige Essen in eine Schüssel zu füllen (an Teller ist nicht zu denken) wäre schwierig. Wir essen Kekse, Nüsse und Schokolade aus dem Süssi-Schrank. Und wir haben ein Brot, das schon aufgeschnitten ist. Wir kochen auch kein Wasser für Tee sondern trinken einfach Wasser. Da haben wir nach einer Weile eine super Methode um Wasser von der grossen in unsere kleinen Flaschen umzufüllen, ohne dass ein Tropfen Wasser verschüttet wird. 

Rolf schläft im Salon, da es im Vorpig absolut unmöglich ist sich aufzuhalten – da hebt man ab! Eine Nacht hatten sich die Schranktüren ganz vorne im Bug geöffnet und die ganze Zeit geschlagen. Da musste ich vorkrabbeln und die wieder zu machen. Das war ein fast schwereloses Erlebnis.

Da ich keine Lust hatte, meine Segelklamotten an- und auszuziehen beim Wachwechsel, habe ich mir einfach eine von den Matratzen für die Sitzbänke draussen geschnappt und mich damit in den Gang zum Achterkabine gelegt. Hat perfekt funktioniert und ich brauchte nicht viel Zeit zum Anziehen (alles unter Deck mit so viel Bewegung macht, dass es einem echt übel wird). 

Enno hat sich sein Bett mit unserem Gennacker (das ist ein Segel) geteilt. Den hat er unter die Regale geklemmt, so dass er selbst nicht darunter rutscht bei der Schräglage von Inua.

Es hat mehr Wind als angesagt, wir haben rund 20-25 Knoten die ganze Zeit, ab uns zu bis 30. Den ersten Tag hatten wir den Wind von schräg vorne, was dazu geführt hat, dass Inua ziemlich schräg lag. Danach wurde der Windwinkel immer besser, so dass wir den mehr von der Seite bekamen. Das heisst dann, dass wir keine so heftige Schräglage mehr hatten, dafür kamen dann die Wellen von der Seite und Inua hat mehr hin und her geschaukelt. Die ersten beide Tagen hatten wir Sonne, danach war es bewölkt, aber kein Regen. Dass es trocken war können wir nicht behaupten. Wenn kein Wasser über den Bug bis ins Cockpit kam, war so hohe Luftfeuchtigkeit, dass trotzdem alles nass war. Obwohl wir nur 3 Stunden Wachen hatten wurde es in der letzten Stunde immer kalt. Wir hatten die Heizung unter Deck an, da war es echt angenehm, wenn man dann nach unten kam. 

Wir haben viele Trawler gesehen, die meist in grossen Gruppen unterwegs waren, einmal waren es ca 30 Schiffe auf einem Haufen. Russen meist, aber auch Spanier, Portugiesen, ein deutsches Schiff und ein paar norwegische. Aber die waren alle auf gutem Abstand zu unserem Kurs und wir haben die nur auf dem Kartplotter gehen, aber nicht in natura.

Die Wettermeldungen von Bodø (Kystradio Nord) konnten wir überraschenderweise lang hören, wir waren schon ein gutes Stück vorbei an der Bjørnøya bevor es still wurde aus Bodø.

Blinde Passagiere hatten wir 2 Stück, einmal eine Möwe, die sich auf dem B verschnauft hat und eine andere, die auf dem Sprayhood Pause gemacht hat. Das Lustige war, dass man mit dem Finger von unten gegen die Füsse stupsen konnte, das hat sie nicht gestört. Natürlich hat sie auch einen Schiss auf dem Sprayhood hinterlassen – das geht wohl nicht ohne. Zum Glück gibt es hier keine blåbær. 

Land in Sicht hatten wir am Dienstagmorgen kurz vor 7 Uhr. Meine Wache 🙂 Die Wolken hingen tief, so dass erst nur ein schmaler Streifen über dem Horizont sichtbar wurde. Der Streifen wurde immer breiter und nach und nach kam sogar blauer Himmel und Sonne dazu. Enno kommt irgendwann hoch und wir sind begeistert von der Landschaft. Rolf ist der letzte, der aus seiner Koje kommt. Berge und riesige Gletscher!!! Sehr beeindruckend. Es dauert noch ein gutes Stück, nachdem wir das Sørkap gerundet haben, bevor wir etwas ruhigere See bekommen. Nach einer Weile kommen wir ins Lee der Berge und der Wind verschwindet. 

Ich entdecke ein paar schwarze Huckel auf dem Wasser ganz dicht am Boot steuerbord voraus und frage die anderen ob das Wale sind. Es sind Walrösser!!! 2 Stück, die uns verwundert anschauen. Was ich zuerst gesehen habe war wohl deren Rücken. Leider sind wir zu langsam mit dem Foto, sie tauchen ab. Supercool!!! Ich hab noch nie Walrösser gesehen (ausser im Zoo).

Der Hornsund ist unser erstes Ziel, da er der südlichste Sund ist. Hier soll es spektakulär sein, mit vielen Gletschern, die ins Meer kalben. Als wir um Hornsundneset kommen, bläst es raus aus dem Hornsund und wir kämpfen gegen Wind und Wellen, es geht nur mühsam voran. Alle sind wir etwas gefrustet, denn wir waren darauf eingestellt, dass es jetzt angenehmer werden soll, und dann das. Dazu kommt, dass man Eisbrocken auf dem Wasser nicht sehen kann bei so vielen Schaumkronen. Kollidieren wir mit einem, kann das zu grossen Schäden am Rumpf führen, im schlimmsten Fall ein Leck! Zum Glück hat Enno in der ruhigen Zeit die Antenne wieder angeschlossen und versucht jetzt einen Wetterbericht mit dem HF-Radio zu holen. Aber leider bekommt er entweder keine Antwort (von der Station in Longyarbyen) oder die Verbindung wird abgebrochen (Schweiz). Was nun? Wir setzten Kurs in den Bellsund, aber der ist nochmal eine Tagestour weit entfernt. Wir finden es schade, dass wir dann wahrscheinlich keine Möglichkeit mehr haben den Hornsund zu erforschen. Da findet Rolf einen Ankerplatz auf der Seekarte, der von allen Windrichtungen (ausser Nord) gut beschützt aussieht. Der liegt auf der nördlichen Seite am Eingang zum Hornsund. Wenn es da sicher aussieht können wir eine Nacht da ankern und morgen, falls die Windrichtung sich dreht, noch immer in den Hornsund.

In der Ankerbucht hinter Dynøyene liegt schon ein französisches Segelboot vor Anker. Hier ist es still und ruhig, die Schären um uns herum halten die Wellen draussen im Sund. Es ist 13 Uhr und wir sind endlich angekommen!!! Wir haben Aussicht auf 3 Gletscher, wobei einer davon öfter mal kalbt. Das hört sich dann an wie ein Donnergrollen. Wir konnten es aber nie sehen. Wenn der Schall bei uns ankommt ist der Eisbrocken ja schon vor einer Weile ins Wasser gefallen. 

Wir machen uns die erste warme Mahlzeit seit Andenes und sitzen unterm dem Zelt im Cockpit. Die Sonne scheint und es ist angenehm warm. Eine Fleecejacke ist genug. Ich nähe ein neues Tau an unsere Flagge. Ist ja schon blöd hier am Anker zu liegen und niemand kann sehen wo wir herkommen. Enno und Rolf machen das B klar und tuckern zu den Franzosen um Hallo zu sagen und auch sonst noch ein wenig in der Bucht herum. Später kommt noch ein französisches Segelboot und ankert mit uns. Die ersten Franzosen haben übrigens ihren Anker nochmal gelichtet und sind näher an uns heran gerückt. Weiss auch keiner warum, aber mit Franzosen haben wir ja so unsere Erfahrungen aus der Karibik… aber sie liegen weit genug weg von uns.

Wir haben nicht mal 3 Tage für die Überfahrt gebraucht, aber wir hatten auch ordentlich Wind.


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2 comments on “Andenes – Dunøyene (Spitzbergen) 25.6.-28.6.

  • Elke Rodegerdts

    So ein Abenteuer!! Da habt ihr euch erfolgreich nach Spitzbergen gekämpft. Sehr spannend für uns Leser, sehr anstrengend für euch Segler. Wir sind mit vielen lieben Grüßen aus Hamburg bei euch.

  • MuPa

    Von Andenes aus war es ja wirklich Stress pur. Weiterhin viele tolle Erlebnisse!
    Liebe Grüße vom Schwabenländle!