Svalbard – letzter Teil 1


Vom Hornsund über die Barentssee nach Torsvåg

Wir starten kurz nach 6 Uhr. Die Wettermeldung hat sich nicht grossartig geändert, d.h. wir müssen mit dem Motor fahren, bis wir aus dem Le vom Sørkapp kommen. Die Wellen kommen uns noch immer entgegen und es ist nebelig. Ab und zu sehen wir ein paar Gipfel herausschauen. Tschüss Svalbard! 

Ich freue mich schon auf wärmere Temperaturen, keine Kondensation im Boot (leider haben wir schon ein paar Stellen an denen das Holz etwas Schaden genommen hat), keine Eisberge an Ankerplätzen, und dass man wieder ohne Wumme und das ganze Gedöns an Land kann. Es ist schon unberechenbar auf Svalbard: Ein Ankerplatz kann völlig OK sein, wenn man ankommt und sich dann plötzlich als unbrauchbar herausstellen, wenn Eisbrocken herantreiben.

Nach einer Weile rollen wir ein Stück vom Grossegel aus, um Inua etwas stabiler zu machen. Gegen 12 Uhr können wir beide Segel setzten und machen rund 7 Knoten Fahrt. Wir kommen gut voran und starten unsere gewohnte 3 Stunden Wachordung. Der Wind kommt von nordost, d.h. wir haben Schräglage nach Steuerbord. Da kann man nicht auf dem Sofa im Salon liegen, ohne runterzufallen. Rolf legt sich ins Vorpig, aber da ist natürlich die meiste Bewegung im Boot, so dass er nicht so viel Berührung mit der Matratze hatte, hahaha. Später macht er es wie ich und legt sich mit einem der blauen Sitzkissen vom Cockpit in den Gang nach vorne, da ist es besser. 

In einer meiner ersten Wachen kommen wir durch eine grosse Herde Buckelwale. Plötzlich sind wir alle an Deck und staunen. Enno versucht einem auszuweichen, aber die sind wirklich überall um uns herum und so viele, dass man eigentlich nicht weiss, wohin man ausweichen soll. Die Wale sind so dicht am Boot, dass man fast den Blas abbekommt. Das sind echt riesige Tiere!! Sehr coole Sache. Ansonsten begleiten uns Eissturmvögel (havhest) auf der ganzen Strecke. Die kleineren Vögel wie Trottellumme (lomvi), Tordalk (alkefugl), Papageientaucher (lundefugl) werden schnell weniger und die Krabbentaucher (alkekonge), die es nur um Spitzbergen herum gibt, verschwinden ganz.

Wir kommen weiter unter Segel als gedacht, und sind schon ein gutes Stück südlich von der Bjørnøy, als wir ins Zentrum vom Tiefdruckgebiet kommen und kein Wind mehr bläst. Wir lassen ein Stück vom Grossegel stehen, um Inua ruhiger zu halten. Mit dem Motor machen wir ca 6 Knoten Fahrt und es ist viel schaukeliger. 

Unsere Ankunftszeit (haben einen Wegpunkt auf dem Plotter eingegeben) schwankt zwischen 22 Uhr am Dienstagabend bis 2 Uhr am Mittwochmorgen. Ich finde es anstrengend auf den Überquerungen mit immer Bewegung im Boot. Jetzt läuft auch noch der Motor und im Gang hinten ist es ziemlich laut ( das ist direkt neben dem Motor). Man kann nicht mit dem Ohr auf dem Kopfkissen liegen und manchmal kommt ein komisches Geräusch (vom Autopilot?), jedesmal wenn das Steuerrad mehr nach Steuerbord eingeschlagen ist?!? Man hört vieles, wenn man nicht schlafen kann 😉

Wenn Enno einen neuen Wetterbericht mit dem HF-Radio holt (ca 11 Uhr morgens jeden Tag), schalten wir alle Instrumente ab und steuern in der Zeit selbst. Das erste Mal war es in meiner Wache, die anderen beiden Male war Rolf dran. Wir beobachten mit Freude, dass sowohl die Luft- als auch die Wassertemperaturen steigen 🙂 und es nicht mehr so kalt ist.

Ca 40 nautische Meilen vor Torsvåg, unserem Ziel, kommt wieder Wind auf, so dass wir segeln können. Enno zieht das Grossegel raus und auf einmal gibt es einen Höllenknall und der Block an der unteren Ecke vom Gross, an der man es herauszieht ist, ist abgerissen. So ein Mist!! Ab jetzt geht es dann mit Motor weiter, obwohl wir eigentlich segeln könnten. Aber wir hatten Glück im Unglück, dass das erst so kurz vor dem Ziel passiert ist und nicht schon früher. Mal sehen, ob das noch zu reparieren ist. Wir haben ja noch fast 5 Wochen Ferien über, wäre blöd, wenn wir da überhaupt nicht segeln könnten.

Gegen 23 Uhr kommen wir in Torsvåg an. Kurz vorher kam sogar noch die Sonne durch, die während der ganzen Überfahrt mit Abwesenheit geglänzt hat. In Torsvåg hat es einen langen Steg und wir legen uns ans Ende. Es gibt keine Info über Hafengebühr oder überhaupt eine Info an Land, ob wir hier liegen können/dürfen. Am Anfang vom Steg liegt noch ein französisches Segelboot (Fleur de sel). Wir genehmigen uns einen Ankerdram und naschen Käse und Kekse. Endlich liegt Inua ruhig und der Motor lärmt nicht mehr. Die Ruhe kommt einem wie eine Erlösung vor. Wir erinnern uns, dass wir dasselbe Gefühl 2015 nach der Biscaya-Überquerung hatten:-).

Es war schön und erlebnisreich auf Svalbard (Spitzbergen, ist ja eigentlich nur eine der Inseln), aber uns hat beide nicht der Bazillus gebissen, dass wir da jedes Jahr hin müssen, so wie es manchen ergeht. Wir sind glücklich mit den Erlebnissen und dass wir es mit dem eigenen Boot nach Svalbard geschafft haben.

Von Torsvåg gehen wir am nächsten Tag nach Tromsø und Rolf bucht seinen Heimflug für den Tag danach. Es war sehr angenehm Rolf als Mitsegler dabei zu haben, nicht nur, dass man längere Pausen bei den Überfahrten hatte, wir haben ausserdem viel über Vögel gelernt, und Enno hat mehr Lust bekommen zu angeln 🙂

In Finnsnes haben wir einen Segelmacher gefunden, der unser Segel innerhalb von ein paar Tagen repariert hat, er musste einen neuen Block bestellen, was die meiste Zeit gedauert hat.


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One comment on “Svalbard – letzter Teil

  • Elke Rodegerdts

    Da sind wir im nachhinein noch aufgeregt über all die unvorhersehbaren Gefahren, die ihr überwunden habt. Wir bewundern, wie ihr all die Schwierigkeiten gemeistert habt. Jetzt habt ihr erst einmal viel Ruhe nötig, um die großen Anstrengungen zu verarbeiten. Allein auf eure Segelleistung könnt ihr stolz sein. Mit ganz vielen lieben Grüßen – und in Gedanken eine herzliche Umarmung – sind wir eure Ilka und Elke