Halten – Kalvåg 2


Nun sind wir über eine Woche unterwegs und haben schon viel gesehen. Wir waren in Halten, das ist ein kleiner Fischerort ziemlich weit draußen. Hier wollten wir eigentlich letztes Jahr schon hin, aber es war uns zu weit, um alles mit dem Motor zu fahren. Dieses Mal lag es auf dem Weg nach Süden, so dass wir 63nm in 10 Stunden mit dem Motor in Kauf genommen haben, denn es war überhaupt kein Wind. Als wir aus dem geschützten Fahrwasser raus kamen, gab es auch gleich eine ordentliche Dünung und Wellen. Als wir später auf Halten an Land waren hatten wir das Gefühl, dass alles schaukelt. Schon lustig an was der Körper sich so gewöhnt. Es war den ganzen Tag bewölkt, aber bis auf ein wenig Nieselregen sind wir gut weg gekommen 😉 Direkt an unserem Kai haben sich ein paar „Teiste“ niedergelassen. Das sind wirklich sehr drollige Vögel, total tollpatschig. Die benutzen ihre großen roten Füße als Seitenruder wenn sie fliegen und auch beim landen. Das sieht sehr lustig aus. Ein paar haben auch den Abstand vom Wasser hoch zum Kai falsch berechnet und sind auf der Hälfte abgeprallt und wieder ins Wasser gefallen. Meist hat’s beim 2. Anlauf geklappt. Die sind wirklich unterhaltsam zu beobachten. Ein großer Nachteil ist allerdings, dass der ganze Kai voller Vogelschisse ist und man die dann an den Schuhen kleben hat…

Von Halten ging es 50nm nach Kvenvær. Wieder kein Wind, aber die Sonne hat sich ab und zu durchgekämpft und der Regen kam durch den Fahrtwind von vorne, so dass wir im Cockpit weitgehend trocken geblieben sind. Es ist immer noch so um die 10 Grad und wir haben jeden Abend die Heizung an.

Nachts hat es ab und zu geregnet, aber als wir am nächsten Morgen die Dachluke aufgemacht haben, war nur blauer Himmel zu sehen. Unser nächstes Ziel ist Kristiansund, das 40nm entfernt liegt Nachdem wir den ersten Sund hinter uns hatten, kam Wind auf und wir konnten Segel setzten. Leider kamen immer mehr Wolken und bald hat es auch angefangen zu regnen. Wir segelten durch einen sehr engen, aber schönen Sund. Danach hatten wir wieder Gegenwind und sind mit dem Motor bis Kristiansund. Dort angekommen, gab es keinen freien Bootsplatz mehr, also haben wir außen an einer Arcona festgemacht. Als wir gerade fertig waren, hat ein deutsches Segelboot abgelegt, juhuu. Also alles wieder los machen und in den freien Platz einparken. Hier liegen wir nun gut vertäut und für uns alleine. Wenn man sich außen an ein Boot legt, muss man immer bei denen über Deck laufen, wenn man an Land will. Und falls die morgens früher los wollen, muss man auch ablegen… also besser so. Zur Feier meines Geburtstags waren wir abends noch in einem Fischrestaurant essen. Sehr lecker!! Allerdings war das Restaurant sehr schlecht vertäut, es hat geschaukelt wie nichts Gutes (hatten wieder viele Wellen heute).

Am nächsten Morgen haben wir verschlafen, so dass wir mit tanken erst gegen 10:30 los kommen. Heute geht’s nach Ona, wieder ein kleines Fischerdorf weit draußen. Mit ca 13 Knoten Gegenwind kommen wir trotz Dünung gut über Hustadvika. Nach knapp 40nm legen wir in Ona an. Kurz nach uns kommt auch noch ein deutsches Segelboot, an dem wir unterwegs vorbeigeschippert sind. Der ist ganz allein unterwegs und wir helfen ihm beim Anlegen. Zum Dank kommt er mit 3 Dosen Bier zu uns an Bord. Ein Einlaufbier 🙂 Lustig. Als wir später eine Runde durchs Dorf laufen, sehen wir, dass er wieder ausläuft. Es ist Wind aufgekommen und den will er wahrscheinlich ausnutzen. Ona hat einen typischen roten Leuchtturm und die Häuser im Dorf sind sehr schön und gepflegt (Bilder kommen).

Am nächsten Tag kommen wir schon vor 9 Uhr los und als wir die Hafeneinfahrt von Ona rauskommen empfangen uns 14 Knoten Wind aus der richtigen Richtung (!) und Wellen. Wir setzten Segel. Als die erste Welle übers Deck gespült kommt, fällt mir ein, dass im Bad noch ein Fenster auf ist. Zu spät, dort steht schon zentimeterhoch Wasser und es ist auch etwas unter der Tür durchgelaufen. Aber zum Glück war es das Badfenster und nicht die Luke vom Vorpick. Da hätten Bettwäsche und Matratzen eine Salzwasserdusche abbekommen und das wäre gar nicht lustig gewesen. Ansonsten ein klasse Segeltag und Sonne pur!! Wir wollten in Runde anlegen, aber da lagen schon ein Segelboot und ein RIB. Wir hätten uns eigentlich außen an das Segelboot legen können, haben aber beschlossen in den nächsten Hafen weiterzufahren. Als wir nach knapp 50nm in Fosnavåg ankamen, war der Hafen proppenvoll. Kurz vor uns ist ein anderes Segelboot eingelaufen, die auch schon nach einem Platz suchten. Nach einigem hin und her haben wir neben denen mit dem Heck zum Kai festgemacht. Später kamen dann noch 2 Cabin Cruiser, die neben uns festgemacht haben. Die Jungs auf dem Segelboot neben uns laden uns zu einem Ankerdram, dem norwegischen Äquivalent zum Einlaufbier, ein. Wir revanchieren uns mit einer Runde Mirabellenschnaps. Lustige Truppe. Von denen erfahren wir, dass heute hier ein Rockfestival ist, und dass sonst hier nie so viel los sind. OK, da wissen wir das auch und können uns schon mal mental auf eine laute Nacht einstellen… Außerdem werden wir morgen früh sicher nicht so zeitig loskommen, da ja noch andere Boote an uns vertäut sind…Wir hätten uns vielleicht doch in Runde an das Segelboot legen sollen… Fosnavåg ist ein richtiges kleines „Städtchen“ mit mindestens 2 Hotels und ein paar Cafes. Mit einem Eis genießen wir in der Sonne die Aussicht übers Meer. Vom Festival bekommen wir eigentlich nichts mit, nur als es aus ist, geht die Party auf dem Nachbarboot bei den Jungs weiter. Trotzdem schlafen wir gar nicht so schlecht.

Der Cabin Criuser neben uns macht schon um kurz vor 8 seine Vertäuung los, super! Der daneben wollte sich gleich an uns vertäuen, aber als wir ihm sagen, dass wir auch gleich ablegen, legt er sich längs an den Steg. Nun ist ja Platz genug. Um halb 9 sind wir unterwegs. Es ist bedeckt, aber es fühlt sich wärmer an. Heute haben wir Stadt vor uns. Das ist eine etwas ausgesetzte Strecke, die bei viel Wind unangenehm werden kann. Aber da es anfangs überhaupt nicht bläst kein Problem. Trotz Dünung kommen wir gut voran. Eigentlich wollten wir nach Stadt weiter außenrum bis nach Kalvåg segeln, aber nachdem wir Stadt gerundet haben kommt Wind auf und zwar direkt von vorne. Gleichzeitig kommen auch die Wellen und unsere Fahrt verringert sich um 2-3 Knoten. Nicht lustig. Zudem sind die Wolken immer tiefer gekommen, so dass die Umrisse vom Land verschwunden sind. Gut, dass wir jetzt Radar haben. Da ist das kein Problem mehr. So richtig neblig wird es allerdings nicht, aber da es keinen Spaß macht gegen den Wind „anzumotoren“, beschließen wir doch den langen Weg innenrum zu nehmen. Und das hat sich gelohnt, wir konnten ein gutes Stück segeln, das Wetter war besser und die Landschaft einfach grandios! Nach 56nm und über 10 Stunden unterwegs legen wir in Kalvåg an. Hier hat es richtig viele freie Bootsplätze und wir haben die Qual der Wahl. Bei einer Tour auf den Hausberg mit toller Aussicht sehen wir, dass noch ein weiteres Segelboot rein kommt. Die legen sich auf den Platz neben uns und als wir zurückkommen reden wir eine Weile. Norwegen ist ja so klein. Die sind aus Bergen, aber eine der Frauen ist in Bodø aufgewachsen und sie kennen Leute aus Bodø, die Enno auch kennt… außerdem segelt ihr Sohn auch bei der ARC mit und die beiden Paare an Bord verbringen Weihnachten und Silvester auch in der Karibik auf einem gecharterten Katamaran. Gut möglich also, dass wir die noch mal wiedersehen. Inzwischen hat es angefangen zu regnen und wir hoffen, dass es sich bis morgen früh ausgeregnet hat…


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2 comments on “Halten – Kalvåg

  • Udo und Elke

    Bis Ihr Hamburg erreicht habt, füllen Eure Erlebnisse schon ein halbes Buch. Es ist einfach spannend, was Euch unterwegs alles begegnet. Wir müssen immer wieder feststellen, wie klein die Welt ist – besonders in Norwegen.
    Dank des ausfühlichen Berichts können wir alles nachvollziehen.
    Alles Liebe von uns an Euch aus HH

  • MuPa

    Hallo ihr zwei,
    über AIS konnte ich euch immer verfolgen. Jetzt kommt ihr immer weiter nach Süden und die Temperaturen werden angenehmer.
    Weiter so!!!

    Ganz liebe Grüße vom heißen Süden
    MuPa