Norwegen – Dänemark – Deutschland 1


Als wir in Mandal aus unserem Bootsplatz draußen waren haben wir sofort bemerkt, dass es ordentlich Wind hat. Aber das macht uns heute nichts aus, da wir nur innerhalb der Schären unterwegs sein werden. An den etwas breiteren Stellen segeln wir nur mit dem Vorsegel. Das meiste der Strecke geht durch schmale Sunde. Wir schippern auch durch die „Blindleia“, wo alle Reichen ihre Hütten haben. Sehr idyllisch hier. Wir messen Wind zwischen 10-18m/s und das Wetter ist eigentlich ganz schön. Hinter uns sind oft dunkle Wolken, die uns aber irgendwie nie einholen. Als wir aus der „Blindleia“ rauskommen, bekommen wir einen kleinen Vorgeschmack auf die Überfahrt über den Skagerrak: viel Wind und heftige Wellen. Morgen soll es weniger Wind haben, aber es werden sicher noch genug Wellen vom Wind heute übrig sein. Vielleicht ist es an der Zeit, dass ich morgen meine erste „Anti-Seekrank-Tablette“ nehme ?!?

In Grimstad ist mal wieder anlegen bei viel Wind angesagt. Aber hier gibt es einen Hafenmeister, der uns hilft außen an ein anders Segelboot anzulegen. Nachdem wir vertäut sind, gehen wir eine kleine Runde in die Stadt. Da wir immer so spät ankommen, sind immer alle Läden schon zu. Das ist ärgerlich, denn wir hätten gerne einen Hafenführer von Dänemark gehabt. Auf dem Weg zurück zum Steg klingelt mein Handy und unser Bootsnachbar aus Bodø ist dran, der sich beklagt dass ihn auf Inua keiner im Empfang nimmt. Ich versteh es erstmal gar nicht, bis ich dann kapiere, dass er hier in Grimstad ist. Lustig, dass man überall Leute trifft. Er ist beruflich in Kristiansand und hat uns wohl auf dem AIS entdeckt und ist hergefahren.

Über den Skagerrak sind wir schon früh gestartet. Der Wecker hat um 5:30 geklingelt und um kurz nach 6 sind wir los gekommen. Frühstück gibt’s unterwegs, denken wir uns… Da wir die Windsteuerung benutzen wollen, machen wir gleich ein Reff ins Grossegel. Die funktioniert am bestem, wenn das Grossegel kleiner ist. Es bläst noch immer konstant um die 14-15m/s und es dauert nicht lange, da machen wir das 2. Reff ins Grossegel und rollen das Vorsegel auf 1/3 ein. Die Wellen kommen ziemlich von der Seite, so dass es sehr schaukelig wird, wenn man die nicht gut aussteuert. Also übernehmen wir selbst das Steuer. Jeder eine Stunde. Obwohl wir auch heute mit dem Kompass den Kurs halten müssen, ist es leichter, da man den Horizont sieht und ab und zu finden sich auch ein paar schöne Wolkenformationen, ab denen man sich orientieren kann. Eine ziemlich unruhige Überfahrt. Zum Glück hatte ich gestern schon Wurstsalat gemacht, sonst wäre die kulinarische Versorgung vollständig in die Hosen gegangen. Ca. 10 nautische Meilen vor Skagen verschwindet der Wind und wir fahren den Rest mit dem Motor. In Skagen kommen wir noch mal um die komische Pfahl-Vertäuung herum und können uns längs an ein anderes norwegisches Segelboot legen. Den Skipper da fragen wir genau aus, wie das mit der Pfahl-Vertäuung bei viel Wind geht und wir bekommen ein paar gute Tipps. Skagen ist ein nettes Dorf mit lauter zweistöckigen gelben Häuschen, es gibt viele Café’s und Restaurants und die Leute sitzen draußen. Allerdings nur bei den überdachten Etablissements, denn es regnet ein wenig. Trotzdem fühlt sich das hier richtig wie Ferien an! Als wir am nächsten Morgen, immer noch auf der Jagd nach einem Hafenführer, unterwegs sind entdecken wir ein altes Wikingerschiff am Kai. Als wir nachfragen erfahren wir, dass es das Osebergschiff ist, das in Tønsberg nachgebaut wurde, mit Originalwerkzeug. Wir werden an Bord gebeten und ein als Wikinger verkleideter Seemann erklärt uns wie das Schiff gefunden wurde (war in einem Wikingergrab mit 2 Frauen) und wie sie es rekonstruiert haben. Da würden wir wirklich gerne mal mitsegeln. Die Segel waren übrigens gefetteter Filz. War wirklich alles total klasse gemacht.

Aus dem Hafen raus waren sofort wieder Wellen. Das überraschte uns etwas, da wir dachten, dass das Land die Wellen etwas reduziert. Es ist überall total flach, zwischen 5 und 10 Metern. Total komisch auf so flachem Wasser zu segeln. Der Wind kommt ziemlich direkt von vorne, d.h. dass wir kreuzen müssen (doppelter Weg). Wir hatten alles von 5-12m/s Wind. Und nach fast 6 Stunden hatten wir genug vom gegen Wind und Wellen anstampfen. Man kommt ja auch nicht schnell vorwärts, wenn einen die Wellen immer aufstoppen. Außerdem fängt es an zu regnen. Wir legen in Sæby zuerst direkt hinter der Hafeneinfahrt hinter einem deutschen Segelboot am Kai an. Wir gruseln uns immer noch es mit der Pfähle-Vertäuung aufzunehmen, vor allem da es immer noch ordentlich bläst (10m/s im Hafen). Aber als ein Norweger uns darauf aufmerksam macht, dass es hier viel Schwell gibt und die Nacht sicher unruhig wird, gehen wir weiter rein in den Hafen und finden einen Platz längs an einem Segelboot. Wir sind das 4. Boot in dem Päckchen, zum Glück ist Inua so klein. Als wir einen Spaziergang an Land und im Hafen machen, wundern wir uns wie viel zu breite Segelboote zwischen den Pfählen durchgekommen sind um anzulegen. Für den nächsten Tag müssen wir wieder eine längere Strecke planen, da wir heute nicht so richtig weit gekommen sind.

Weiter ging es am nächsten Tag nach Grenå mit perfektem Segelwind. Trotz weiterhin vielen Wellen und Wind zwischen 12-16m/s ist es ein perfekter Segeltag. Die Windsteuerung müssen wir noch mal etwas ummontieren, da die Kette das Ruder bei Wellen von vorne immer mit hoch reißt und dann passt der Kurs überhaupt nicht mehr. Wir steuern das meiste selbst. In Grenå kommen wir dann nicht mehr um die komische Pfähle-Vertäuung herum. Bei 15m/s Seitenwind ist das nicht einfach. Zum Glück bekommen wir Hilfe von den Nachbarbooten samt dem Hafenmeister an Land und alles geht gut. Und jetzt wissen wir auch, warum dicke Boote zwischen 2 dünne Pfähle passen. Die Pfähle sind nicht fest verankert sondern nur am Grund befestigt, wie Bojen.

Der nächste Tag begann mit blauem Himmel und Sonne, und auch das Ausparken zwischen den Pfählen hat gut geklappt. Heute sollte es Wind bis 11m/s haben und im Laufe des Tages weniger werden, aber wir hatten eigentlich durchgehend 16-18m/s. Nur mit dem Vorsegel kamen wir mit 6-7 Knoten super voran. Im Laufe des Tages kam der Wind dann immer mehr von vorne und die Windsteuerung (die wir heute „Hedda“ getauft haben) hat sich schwer getan. Von Hand steuern funktioniert besser. Als ich gerade meine „Schicht“ begann, und Enno es sich gemütlich gemacht hatte, gab es einen lauten Knall und der Achterstag landete mit einem Platsch im Wasser. Oh Schreck! Enno wusste sofort, dass es ein Block war, der nicht gehalten hat und den er eigentlich schon längst mal austauchen wollte. Als wir den ganzen Achterstag wieder an Bord gezogen haben, haben wir zum Glück gesehen, dass noch alles da ist und dass es tatsächlich der Block war. Eigentlich wollten wir heute weiter, aber nun steuern wir den nächsten Hafen an und das ist Hou. Hier konnten wir sogar längs am Kai vertäuen und Enno hat sich auf in den Mast gemacht, um unseren Achterstag wieder anzumontieren. Nun haben wir dort einen Schekel aus Dynema und der hält ein paar Tonnen. Als Enno gerade wieder unten war, kam ein älteres dänisches Ehepaar (Anette und Franz) vorbei und wir kamen ins Gespräch. Die haben ihr Boot (Trine) fest hier liegen und haben uns auf einen Kaffee bei ihnen an Bord eingeladen. Sehr nett!! Obwohl es nicht so einfach ist dänisch zu verstehen, kommen wir klar. Ein superschöner Abend.

Blauer Himmel, Windstille und glattes Meer am nächsten Morgen, also ein Tag ohne segeln und mit Motor. Dafür sehen wir Seehunde und Schweinswale in Massen. Und sooooo viele Segelboote auf einmal, wie wir noch nie gesehen haben. Das ist echt Wahnsinn. Außerdem ist Inua von ganz vielen Spinnweben eingewoben. Wir ziehen wirklich an allem tausende von Fäden hinterher. Ein richtiges Geisterschiff. Als ich aufs Vordeck gehe um den Anker klar zu machen, laufe ich durch eine Wand mit Spinnenweben, eklig! Wir ankern in einer schönen Bucht bei Lyo, in der schon einige andere Boote vor Anker liegen. Es gibt sehr viele Quallen hier.

Am nächsten Morgen werden wir gegen 6 Uhr von einem komischen Geräusch geweckt. Als wir hochkommen treibt ein anderes Segelboot dicht an uns vorbei. Die sind wahrscheinlich mit ihrem Ruder an unserer Ankerkette hängen geblieben. Wir rufen und nach einer Weile kommt eine Frau an Deck. Wir erzählen ihr, dass sie hier durch die Bucht treiben. Sie schaut nur, aber weiter geschieht erstmal nichts, während sie weiter Richtung andere Boote und Land treiben. Nach einiger Zeit kommt dann auch der Mann an Deck. Da hat sich der Anker aber wieder irgendwo festgezurrt und sie treiben nicht weiter. Da wir nicht mehr in der Gefahrenzone sind und wie sie gewarnt haben, gehen wir noch mal ins Bett… Wir konnten teilweise segeln heute mit Wind zwischen 12-14m/s, haben aber auch ab und zu den Motor angemacht, um vorwärts zu kommen. In der Kieler Bucht waren Unmengen von Segelbooten in allen Größen und Formen und kreuz und quer. Wir vertäuen in einem netten Hafen in Kiel (Möltenort). Und hier müssen wir auch wieder an Pfählen vertäuen. Es hat nicht viel Wind und es klappt eigentlich gut. Das Problem ist nur, dass diese Pfähle so weit vom Land weg stehen, dass unsere Taue zu kurz sind, um mit dem Bug überhaupt an Land zu kommen. Wir müssen über das Nachbarboot klettern, um die vordere Vertäuung an Land festzumachen und dann beide hinteren Vertäuungen mit einem zusätzlichen Tau verlängern, so dass wir an Land kommen. Aber nach etwas basteln liegen wir perfekt hier. Wir melden uns beim Hafenmeister an, der sehr nett ist und uns sogar Info-Material über den Nord-Ostseekanal ausdruckt. Wir sind schon sehr gespannt, wie das morgen geht. Wir treffen einen anderen Segler, der heute von der anderen Seite kam und der erzählt uns, dass das alles kein Problem ist, trotzdem sind wir aufgeregt. Morgen früh gibt es zum ersten Mal frische Brötchen an Bord von Inua!!

Wir kommen um 9 Uhr los am nächsten Morgen, obwohl das Ausparken etwas aufwendiger war. Die Schleuse liegt genau gegenüber und ein paar Segelboote und 2 Flachbodenschiffe warten auch schon darauf geschleust zu werden. Wir kommen alle bei der ersten Runde mit. Die Fender schleppen wir eigentlich auf dem Wasser, da der Steg, an dem man anlegen muss total niedrig ist. Aber wenigstens bewegt der sich mit in der Schleuse. Wir dachten schon, man müsste die ganze Zeit die Vertäuung nachlassen oder strammen. Es sind ein paar größere Schiffe vor uns rein gefahren und wir müssen an denen vorbei ganz nach vorne, da wir als erstes raus müssen nachher. Aber es ist gut Platz. Zum Bezahlen muss man eine senkrechte Leiter hochklettern und ich bin froh, dass Enno das macht. Vom Schleusen kriegt man gar nicht so viel mit und schon nach kurzer Zeit öffnet sich das Tor und wir Sportboote fahren als erstes raus. Und dann ist es wie in der Kolonne fahren, ein Boot nach dem anderen. Die großen Schiffe, die mit uns in der Schleuse waren überholen uns nach einer Weile. Ansonsten fahren wir Segelboote hintereinander her. Es gibt viele Schwäne und Kanadagänse hier. Manchmal kommt auch was „Grosses“ entgegen, aber es ist eigentlich genügend Platz. In Rendsburg gibt es eine Hängefähre und eine Schiffsbegrüssungsanalge. Wir werden allerdings nicht begrüsst?!? Es ist schön warm und sehr entspannt, wenn man hier so durchschippert. Der erste Tag, an dem wir mit T-Shirt und kurzer Hose unterwegs sind, jedenfalls so lange die Sonne scheint. Ohne Sonne ist es immer noch kühl und als wir uns Brunsbüttel nähern regnet es sogar eine Weile. In Brunsbüttel liegt der Hafen direkt neben der Schleuse. Morgen früh müssen wir möglichst früh los kommen, da wir von einem Segler gehört haben, dass wir aufpassen müssen, dass wir keinen Gegenstrom auf der Elbe haben.

Wir sind mit der ersten Schleusenladung mitgekommen, obwohl wir schon nicht mehr damit gerechnet hatten, da schon 4 riesig große Schiffe rein gefahren waren. Aber dann haben wir über Funk Bescheid bekommen, dass für uns eine kleine Gasse in der Mitte frei sei. Und das war wirklich nur eine schmale Gasse. Die großen Schiffe vertäuen in der Schleuse nicht fest, sondern die benutzen ihre Propeller, um sich an Ort und Stelle zu halten. Das ist für so kleine Boote wie uns natürlich nicht ganz unproblematisch, wenn man dann voll den Propellerstrahl abbekommt. Zum Glück hat Enno an dem Segelboot vor uns gesehen, wie der fast gegen einen riesigen Containerfrachter abgetrieben wurde und hat dann mehr Gas gegeben. Wir haben an einem niedrigen Binnenschifffrachter fest gemacht und sogar Hilfe bekommen. Viel Platz ist hier nicht – und die Gasse wirklich schmal. Das raus fahren aus der Schleuse war dann auch noch mal spannend, da wir sehr dicht an dem großen Containerfrachter vorbei mussten, aber alles hat geklappt. Danach ging’s die Elbe hoch Richtung Hamburg. Mit 3 Knoten mehr in der Strömung hatten wir so um die 9 Knoten Fahrt. Super. Um 13 Uhr waren wir in Hamburg-Wedel vertäut. Nun freuen wir uns auf Familie und Freunde!!


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One comment on “Norwegen – Dänemark – Deutschland

  • Udo und Elke

    Bis hierher war die Reise sehr spannend aber auch relativ sicher – immer Land in erreichbarer Entfernung. Hoffentlich bläst der Wind in Zukunft aus der gewünschten Richtung und erleichtert Euer Seglerleben.
    Wir drücken die Daumen in HH