Orkney – Inseln 3


Nachdem wir den Caledonian Canal mit seinen 29 Schleusen und 10 Schwingbrücken verlassen haben, machen wir uns auf den Weg nach Wick (noch immer in Schottland). Da wir nun wieder die Tide und die damit verbundenen Strömungen in Betracht ziehen müssen, starten wir schon früh morgens. Geplant war eigentlich, dass wir um 6 Uhr starten, aber da Enno schon um 5 Uhr nicht mehr schlafen konnte, kamen wir schon eine halbe Stunde früher los. Wenn man aus dem River Ness herauskommt, fühlt man sich wie in einem riesigen Fjord. Aber man darf sich nicht täuschen lassen, denn es ist an vielen Stellen sehr flach und man muss genau navigieren und die Seezeichen beachten, damit man nicht auf Grund geht. Nach einer Woche mit viel Regen im Kanal freuen wir uns, dass die Sonne scheint. Leider hat es überhaupt keinen Wind, so dass wir die 70 Seemeilen bis Wick mit dem Motor zurücklegen müssen. Kurz vor Wick nisten tausende von Vögeln in der Steilküste – die Felsen sind weiss!! Obwohl wir 12 Stunden unterwegs waren, müssen wir einfach noch mal zu Fuss los, um einen (winzig) kleinen Teil der entlang gefahrenen Küste vom Land her zu entdecken. Die Steilküste und die Felsformationen sind sehr beeindruckend. Ein riesiger Fels sieht aus wie ein gestrandetes Raumschiff. Wir gehen bis zu einer Burgruine auf einer kleinen Landzunge, bevor wir wieder umkehren. Es ist Wind aufgekommen und wir sehen, dass es inzwischen ein paar Wellen mit Schaumkronen hat.

Wick Wick

Wick Wick

Auf der Suche nach Geldautomat und einem Laden sehen wir dann auch noch etwas von der Stadt. Das Zentrum mit Fußgängerzone ist nett, aber es ist nicht viel los, da inzwischen fast alle Geschäfte geschlossen haben.

Am nächsten Tag verlassen wir das schottische Festland und machen uns auf den Weg zu den Orkney-Inseln. Wieder geht es um 6 Uhr los, damit wir an der Stelle mit dem heftigsten Strom Mitstrom haben. Als wir aus der Hafeneinfahrt herauskommen erwarten uns heftige Wellen. Wir haben 10-15 Knoten Wind und rollen zusätzlich zum Motor, das Vorsegel aus. Nachdem ich Frühstück gemacht habe, bin ich seekrank – nichts Gutes mehr gewohnt. Ich lege mich in den Salon und es dauert auch nicht lange, da bin ich eingeschlafen. (Enno durfte später auch noch eine Pause machen). Bis Copinsay haben wir wie geplant Mitstrom und kommen gut voran. Aber ab Copinsay und um die nächste Landzunge (Deerness) von Mainland herum brauchen wir ewig. Der Strom hat gedreht und nun kommen wir teilweise nur noch mit 2-3 Knoten voran. Der Motor läuft mit 2800 Umdrehungen. Die Wellen sind total kabbelig und auch höher. Ziemlich unangenehm und unten scheppert es in allen Schränken. Auch die Orkneys haben eine krasse Steilküste, aber als wir um die Landzunge herum sind ist das Land flach. Es hat viele Wiesen und fast keinen Wald. Überall weiden Kühe. Wir bekommen wieder Mitstrom und schaffen das letzte Stück bis Kirkwall ohne große Anstrengungen. Nachdem wir um Deerness herum waren, waren auch sofort die Wellen verschwunden. Als wir in der Marina angelegt haben, beginnt es zu nieseln – gerade noch geschafft! Abends kommt dann wieder die Sonne durch und wir erkunden die Stadt. Kirkwall ist ein sehr schönes Städtchen, mal wieder mit vielen alten Gemäuern, engen Gassen und einer schönen Fußgängerzone mit vielen kleinen Lädchen. Leider sind schon alle geschlossen, aber da wir Morgen erst um 15 Uhr los müssen, bleibt uns da noch genug Zeit zum Bummeln. Mit dem Hafenmeister, der nur 2x am Tag vorbeikommt, machen wir ab, dass wir morgen früh um 10 Uhr tanken. Da der Motor die letzten Tage hart arbeiten musste, ist unser Tank schon wieder halb leer.

Kirkwall Kirkwall

Earl's Palace Kirkwall (17. Jahrhundert) St. Magnus Cathedral Kirkwall

Als wir am nächsten Tag einen neuen Wetterbericht herunterladen, sagt der, dass für nächste Woche starker Nordwind angesagt ist. Das passt uns gar nicht, da wir für diese Zeit die Überfahrt nach Norwegen geplant hatten. Mit Nordwind müssen wir erstens hart am Wind segeln (nicht so angenehm) und zweitens kommen wir wahrscheinlich viel weiter im Süden von Norwegen raus, als wir wollen. Sieht so aus, als ob wir die Überfahrt noch etwas verschieben müssen. Das gibt uns natürlich etwas mehr Zeit hier und so beschließen wir noch mit dem Bus zum 12km entfernen Steinkreis zu fahren. Und das hat sich wirklich gelohnt. Der Busfahrer hat uns am Abzweig zu den „Standing Stones“ rausgelassen und wir mussten noch 2,5km laufen. Schon nach kurzer Zeit kamen wir an einem kleinen Steinkreis vorbei, den „Stones of Stenness“. Hier stehen noch 3 ½ Steine und dann gibt es da noch diesen gespaltenen Stein, durch den wir besser nicht durchgehen… Da wir gerade die Bücher von Diana Gabaldon lesen, wissen wir was passieren kann. Wir haben keine Lust 200 Jahre in der Zeit zurück versetzt wieder zu uns zu kommen. Weiter geht es an einer neusteinzeitlichen Ausgrabungsstätte (Ness of Brodgar) vorbei, die leider schon geschlossen ist, bevor wir zum „Ring of Brodgar“ kommen. Der Kreis ist riesig und es stehen noch viele Steine. Manche sind auseinandergebrochen, so dass der untere Teil noch steht, während der obere flach in der Erde liegt. 2 Steine wurden wohl durch Blitzeinschlag zerstört. Es ist mystisch hier und ein unvergessliches Erlebnis. Gut, dass wir heute nicht wie geplant weiter gesegelt sind, sondern hier waren! Das Wetter hat auch ganz gut mitgespielt und wir haben nur ein paar kleine Regentropfen abbekommen.

Stones of Stennes Ring of Brodgar

Ring of Brodgar

Mal wieder klingelt um 5:30 Uhr der Wecker. Obwohl wir noch hundemüde sind kommen wir um 6 Uhr los. Das Wetter sieht ganz gut aus: kein Sonnensschein, aber trocken. Wir haben 10-15 Knoten Wind, allerdings fast von vorne. Das Vorsegel steht gut und wir kommen zusätzlich damit etwas schneller voran, als nur mit Motor. Da wir hier nur in geschütztem Fahrwasser unterwegs sind, hat es keine Wellen. Wir haben Mitstrom und machen teilweise über 9 Knoten Fahrt über Grund, d.h. wir haben über 3 Knoten Strömung. Teilweise treibt uns die Strömung aber auch ganz schön seitlich ab. Einmal zeigt der Bug von Inua mitten aufs Land, während wir auf den schmalen Durchgang zwischen zwei Inseln durchzielen. Auf dem Kartplotter unterscheidet sich die Linie vom Kompassteuerkurs fast 60 Grad vom Kurs über Grund. Um uns herum sieht das Wasser aus, als ob es kocht.

Kurs auf Kartplotter

Um 10 Uhr kommen wir im Hafen von Pierowall auf der Insel Westray an. Der Hafenmeister ist supernett und als Enno nach Internet fragt, gibt er uns sein persönliches WiFi-Passwort, da im Hafen erst nächstes Jahr WiFi installiert werden soll. Morgen früh gibt es frisches Brot vom Bäcker!! Inzwischen sieht die Wettervorhersage wieder anders aus. Der Nordwind ist abgesagt und Donnerstag und Freitag soll es schön sein, so dass wir wie gedacht auf die Fair Isle, die zwischen Orkney und Shetland liegt, segeln können. Auf Westay gibt es einiges zu sehen und wir machen uns auch bald schon zu Fuss auf den Weg, um eine Ausgrabungsstätte am Strand zu suchen. Leider finden wir sie nicht, aber der Spaziergang war trotzdem schön. Wir besuchen auch noch das „Heritage Center“ in Pierowall, wo wir einiges über die Steinzeit und die Wikinger erfahren. Wieder zurück im Boot (gerade noch rechtzeitig, bevor es anfängt zu regnen) sieht der neue Wetterbericht schon wieder anders aus. Nun ist der Nordwind wieder angesagt und auch das Wetter für die nächsten Tage ist nicht mehr so einladend. Morgen bleiben wir auf jeden Fall noch hier und dann sehen wir mal, was die Wetterfrösche so prophezeien…

Westray Westray

Westray Westray

Lady Kirk Westray Lady Kirk Westray

 

 


Leave a comment

Your email address will not be published.

3 comments on “Orkney – Inseln

  • Elke Rodegerdts

    Das ist Schottland, wie wir es uns vorstellen – leider auch das Wetter. Wir würden zu gern unsere Hitze mit Euch teilen.
    Viel Glück und guten Wind für die Überfahrt nach Norwegen von Ilka und Elke-Mami

  • Wolfgang

    Na, dann hoffen wir, dass ihr noch wieder besseres Wetter bekommt. Habe neulich noch eine Artikel über die Orkneyinseln in der Süddeutschen gelesen. Neben dem Bericht über die dortigen starken Stömungen, hieß es von Einheimischen:” Wir haben neun Monate Regen und Wind – und drei Monate schlechtes Wetter!” Eine gute Überfahrt nach Norwegen wünschen Amélie, Mia, Gudrun und Wolfgang

  • Dieter Matthiessen

    Ich habe immer mal wieder an Eurer Segeltour teilgenommen und bin wirklich erstaunt, wie man so etzwas leisten kann! Fantastisch, ein Traum!! Auch die Videos und das Almanac (was ich als Landmensch nicht richtig kapiert habe) sind ganz toll!! Leider habe ich aus welchem Grund auch immer nicht die Möglichkeit, Euch zu schreinben, gesehen. Also kurz vor Eurer Rückkehr bei hoffentlich angenehmem Wetter und guten Winden wünschen wir alles Gute!! Liebe Grüße, Brigitte und Dieter aus Münster