Orkney – Shetland 1


Da die Wettervorhersage für die nächsten Tage nicht so toll aussieht, richten wir uns hier auf Westray „wohnlich“ ein. Leider finden wir den Bäcker nicht, bei dem es frisches Brot geben soll, und der Hafenmeister ist nicht in Sicht. Da gibt es dann mal wieder Haferbrei (Mampf-Pampe, wie wir das nennen, die Engländer sagen „porridge“ dazu) mit Obst und Müsli, wie schon viele Tage auf dem Atlantik zuvor. Ich mag das gerne, aber Enno rümpft schon mal die Nase, wenn es das zwei Tage nacheinander gibt. In der Sonne trinken wir Kaffee im Cockpit, als wir uns entschließen einen Spaziergang auf der Insel zu machen. Bewaffnet mit Fotoapparat kommen wir gerade bis zum Ende der Mole, als wir dicke, schnell auf uns zu kommende Regenwolken entdecken. Wir schaffen es gerade noch ins Boot, um nicht patschnass zu werden. Als der Regenschauer zu Ende ist, beschließen die beiden holländischen Damen im Boot hinter uns, Ihr Boot an einen anderen Platz zu legen, um nicht Wind und Regen im Cockpit zu haben. Inzwischen bläst es ganz ordentlich (so was hatten wir ja schon mal). Wir helfen beim Ablegen, was nicht so einfach ist, da das Boot durch den Wind kräftig auf den Steg geblasen wird. Wir müssen sie ordentlich abdrücken, damit sie los kommen. Als sie dann quer zu uns am Steg wieder anlegen, war es gut, dass Enno den vorderen Tampen schon am Steg auf die Klampe gelegt hatte, denn sonst wären die voll in Inua rein getrieben. Zu wenig Geschwindigkeit bei viel Wind, die wurden total abgetrieben. Wie gut, dass der Regenschauer kam und uns vom Spaziergang abgehalten hat, sonst hätte Inua jetzt eine ordentliche Schramme. Da es den ganzen Tag regnet verbringen wir die meiste Zeit unter Deck mit lesen und Blog schreiben… Abends wagen wir uns dann doch noch mal raus. Es regnet auch nicht mehr. Wir gehen zum Strand auf der Westseite der Insel. Hier hat es lustige Felsformationen und auch viele Muster in den Steinen (Wellen und Rillen). Außerdem entdecken wir eine Seehundkolonie, die leider wegen der Ebbe weit draußen auf den Steinen liegt. Schade, dass wir keinen Foto mit haben. Vorbei an einem Golfplatz kommen wir zum Noltland Castle. Das ist die beste Burgruine, die ich je gesehen habe. Die Tür steht auf und man kann wirklich überall drin herumlaufen. Rechts von der Eingangstür ist eine große Halle durch deren Fenster und Schiessscharten nur sehr wenig Licht hereinkommt. Früher hatten die sicher mehrere Kamine und Fackeln, um es warm und hell zu machen. Die Burg hat 3 Etagen, die man über die Originaltreppen erreicht. Leider fehlt das Dach, aber das nicht, weil es verrottet ist, sondern weil die Burg nie fertig gebaut wurde. Die Burgruine ist einfach genial!

Am nächsten Tag bläst es noch immer, aber wir machen uns schon nach dem Frühstück zu einem Spaziergang auf. Dieses Mal finden wir die Ausgrabungsstätte und auf dem Weg dahin sehen wir viele Seehunde, die auf den Steinen faulenzen. Außer uns ist noch ein Pärchen da, das Bilder von den Seehunden macht, deshalb bewegen wir uns vorsichtig. Auf dem Rückweg haben wir die Seehunde für uns selbst und wir laufen ihnen auf den Steinen entgegen. Überraschenderweise sind die gar nicht so schreckhaft und wir kommen relativ dicht an sie ran. Die sind total niedlich mit ihren großen schwarzen Kulleraugen und den Barthaaren. So elegant wie sie sich im Wasser bewegen, an Land bewegen die sich ja nicht gerade graziös, eher wie dicke Würste. Enno macht einige tolle Fotos. Wir gehen auch noch mal zur Burgruine, um auch da ein paar Bilder zu machen und einfach um es noch mal zu sehen und die Stimmung dort zu erleben. Auf dem Rückweg gehen wir durchs Dorf und kaufen in zwei kleinen Läden, die beide ein kunterbuntes Angebot haben (Lebensmittel, Malhefte für Kinder, Geschirr, Elektrokrams…), ein. Hier gibt es auch noch einen sehr alten Friedhof mit einer Kirchenruine (Lady Kirk) und vielen alten Grabsteinen. Teilweise kann man die Schrift schon nicht mehr entziffern.

Nachdem der Hafenmeister uns erzählt, dass die Windrichtung perfekt ist, um sicher und ruhig im Hafen von Fair Isle zu liegen, machen wir uns am nächsten Morgen auf den Weg dahin. Fair Isle gehört schon zu Shetland. Der Hafenmeister verabschiedet uns persönlich und hilft uns auch noch beim Ablegen. Wäre echt schön, wenn wir es irgendwann noch mal schaffen hierher zu kommen. Westray ist eine tolle Insel und die Menschen sind sehr freundlich. Es ist kein Auto an uns vorbei gefahren, aus dem wir nicht gegrüßt wurden.

Wir haben guten Segelwind. Mit 2 Reffs im Grossegel kommen wir gut voran. Auch das Wetter ist nicht schlecht, es regnet die ganze Überfahrt nicht und ab und zu zeigt sich sogar die Sonne. Als wir aus dem Lee der letzten Orkney-Insel herauskommen werden die Wellen höher und Inua rollt von einer Seite zur anderen. Teilweise steuern wir von Hand, da der Autopilot nicht hinterherkommt. Zwei Stunden, bevor wir nach Fair Isle kommen wird der Wind weniger und wir müssen das letzte Stück mit dem Motor zurücklegen. Als wir an der Nordseite der Fair Isle vorbeikommen sehen wir eine hohe Steilküste mit vorgelagerten Felsen, und darauf nisten tausende von Vögeln. Papageientaucher, Eissturmvögel, havsule, lomvi, teist (die letzten 3 auf norwegisch, da ich mal wieder die deutschen Namen nicht weiss). Die Felsen sind weiß, vor lauter Vögeln. Das ist unbeschreiblich. Im Hafen legen wir uns an die Betonkaimauer ganz nach vorne. Hinter uns sind 2 schwedische Segelboote und an dem Steg für größere Schiffe liegt eine schwedische Katsch und kurz nach uns kommt auch noch ein norwegisches Holzschiff (Framstig), die sich auf die andere Seite legt. Da das hier kein Schwimmsteg ist, müssen wir die Tampen lang lassen, damit Inua bei Ebbe nicht am Betonkai aufgehängt ist. Die Übernachtung kostet hier nichts und man bekommt sogar noch dicke Fender ausgeliehen. Die Insel sieht toll aus, ist völlig baumfrei und voller Schafe. Lustig, dass es auf Westray nur Kühe gab und hier nur Schafe. Außerdem gibt es ein Vogelobservatorium und an einigen Stellen sind Vogelfallen aufgebaut. Wir finden auch ein altes Flugzeugwrack, das im 2. Weltkrieg hier abgestürzt ist. Auf der Wiese sitzen Vögel (storjo, norwegisch mal wieder) und bewachen ihre Nester. Als wir ihnen zu nahe kommen fliegen sie dicht über unsere Köpfe weg und schimpfen. Enno versucht sie zu fotografieren, aber die sind so schnell, dass sie ruckzuck aus dem Sucher raus sind… Als wieder Regenwolken aufziehen machen wir uns auf den Rückweg, aber der Schauer erwischt uns doch noch.

Spät abends kommen kurz hintereinander noch 2 Segelboote an. Die legen sich beide an den hintersten Schweden. Und schon um halb sechs am nächsten Morgen macht sich die große schwedische Katsch auf den Weg. Die Norweger und die Schweden hinter uns kurz danach. Als wir den Hafen verlassen sind nur noch die drei Segelboote, die aneinander vertäut liegen, übrig, sonst ist der Hafen leer. Als wir raus fahren verabschieden uns noch einige Seehunde, die uns neugierig beäugen. Anfangs können wir motorsegeln, aber schon bald ist der Wind weg und wir nehmen die Segel runter. Es ist ein schöner Tag, bis kurz vor Lerwick – da fängt es an zu regnen und hört auch den ganzen Abend nicht mehr auf! Direkt vor uns liegt die norwegische Framstig und wir halten einen kleinen Schwatz mit dem Skipper. Die Innenstadt von Lerwick ist total nett mit engen Gassen und vielen kleinen Läden, die aber leider schon geschlossen haben. Einen Lebensmittelladen finden wir nicht und müssen bei der Touristeninformation nachfragen. Zu dumm, dass der nächste Coop mal wieder nicht in Hafennähe liegt und wir auf dem Weg ganz schön nass werden…

Morgen geht’s über die Nordsee zurück nach Norwegen. Wir sind beide froh darüber, dass das vorläufig die letzte Übernachtungstour wird und wir freuen uns schon auf das beschützte Fahrwasser in Norwegen.


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One comment on “Orkney – Shetland

  • Elke Rodegerdts

    Das verregnete Ende Eurer Abenteuertour lässt die Vorfreude auf die Heimat größer werden. Wieder mal ein kurzweiliger Bericht. Wir freuen uns schon auf die Bilder und wünschen Euch eine gute Fahrt an die norwegische Küste.
    Liebe Grüße von Ilka und Elke-Mami