Wieder daheim in Norwegen 3


Die Nordsee hat sich uns von ihrer besseren Seite gezeigt, als wir von Lerwick in Shetland aufgebrochen sind. Nachdem wir aus dem Lee der letzten Shetlandinsel herauskommen, bekommen wir zwar etwas Dünung, aber nicht so viel, dass Inua anfängt schrecklich zu rollen. Das Wetter ist auch besser geworden (Kunststück, da es seit gestern Abend in einem durch geregnet hat…) und im Cockpit in der Sonne ist es behaglich warm. Auf der ganzen Überfahrt sehen wir viele Vögel (die üblichen Kandidaten, von denen ich meist nur die norwegischen Namen weiß: havsula, havhest, lunde, teist, skarv…). Wind hat es leider nicht so viel, dass wir ohne Motor auskommen wollen. Da wir beide froh sind, dass das nun wirklich die letzte Übernacht-Strecke auf dieser Tour wird, haben wir keine Lust, diese durch mangelnde Geschwindigkeit unnotwendig zu verlängern. Wir behalten unsere 3 Stunden-Schichten bei, denn die haben sich ja nun gut bewährt. Schon bevor es dunkel wird, sehen wir die ersten Ölbohrplattformen, relativ dicht aneinander und bei Nacht sehen die aus wie gut beleuchtete Städte mit mehreren Etagen. Die sind echt riesig! Enno hat den Kurs so gelegt, dass wir gut zwischen allen durchkommen. Von anderen Booten haben wir gehört, dass die von jeder Plattform, der sie sich genähert haben über Funk gerufen wurden. Man muss mindestens 500 Meter (0,27 Seemeilen) Abstand halten, allerdings werden die scheinbar schon bei weniger als 2 Seemeilen nervös. Wir halten gut Abstand und entgehen somit auch dem Funkstress. Wir konnten den ganzen Tag motorsegeln, aber Mitten in der Nacht ist der Wind dann ganz weg und ich rolle das Vorsegel ein. Am Vormittag können wir es dann wieder ausrollen. Das Wetter ist überraschend gut, denn eigentlich waren einige Regenschauer angekündigt aber wir schaffen es trocken an unser Ziel: Nikøya im Bulandet. Kurz vor der Ankunft hat Enno die Shetland-Gästeflagge runter geholt – sieht ganz schön leer aus unser Steuerbord-Saling, nachdem nun 12 Monate lang die verschiedensten Flaggen dort geweht haben. Wir gehen gleich tanken, bevor wir an der Gästebrücke fest machen und zum ersten Mal seit 12 Monaten wieder norwegischen Boden unter den Füssen haben. Unterwegs ist uns eingefallen, dass wir nur noch ein wenig Kleingeld in norwegischen Kronen haben. Gut, dass man hier die Hafengebühr in einem Café bezahlt, denn sonst hätten wir Euro in den Briefumschlag stecken müssen. Wir haben uns riesig gefreut, als wir neben dem Café einen Lebensmittelladen entdeckt haben. Auf unserer Zunge konnten wir den Geschmack der sveler (typisch norwegische Pfannkuchen, klein und dick und mit kultura, einer Art Dickmilch, statt Milch zubereitet) schon schmecken, die es gleich geben sollte. Etwas frustriert mussten wir dieses Vorhaben noch etwas aufschieben, da der Laden schon geschlossen hatte. Obwohl wir von der Überfahrt ziemlich müde sind, gehen wir noch eine kleine Runde auf der Insel. Es ist so typisch norwegisch, mit den bunten Häusern aus Holz und den Anlegern und den vielen Booten, die dort vertäut liegen.

Wir freuen uns, dass wir zurück sind und dass wir von nun an unbekümmert und stressfrei in beschütztem Gewässer und ohne große Planungen in Bezug auf Strömungen einfach weiter können, wann wir wollen. Seit wir in Irland angekommen sind, mussten wir oft morgens in aller Frühe los und lange Schläge, oft in strömendem Regen und Kälte, hinter uns bringen, damit wir den nächstmöglichen Hafen bei Flut oder auflaufend Wasser erreichten. Hier findet man überall irgendwelchen kleinen Häfen, wenn man keine Lust mehr hat oder es zu kalt oder nass wird.

Am nächsten Tag hatten wir es nicht so eilig weiterzukommen und sind erst gegen Mittag in Richtung Florø aufgebrochen. Dieses Mal wurden wir nicht verschont, denn einige heftige Regenschauer haben uns erwischt. Von Alden haben wir, wie schon letztes Jahr, nicht viel gesehen, da tief hängende Wolken einen Blick auf den Gipfel unmöglich machen. In Florø schließt sich der Kreis irgendwie, da wir hier unser eigenes Kielwasser kreuzen. Wir finden einen sonntags geöffneten Coop und kaufen Kultura. Über die hohen Preise sind wir geschockt und hoffen, dass das Sonntagspreise sind… Zurück im Boot gibt es die lang ersehnten Sveler! Hier liegen einige Segelboote aber auch viele Motorboote. Ein Anblick der nach so langer Zeit mit nur Segelbooten irgendwie ungewohnt ist. Und alle haben scheinbar neue Flaggen, so dass unsere von der Sonne sehr ausgebleichte Flagge nun noch blasser erscheint. Das ist eines der ersten Dinge, die wir Morgen erledigen, eine neue Flagge kaufen!!

Nach einem Einkauf im Rema 1000 am nächsten Tag sind wir wieder etwas beruhigt – die Preise entsprechen dem, was wir in Erinnerung hatten. Es regnet schrecklich und eine Frau von einem der Motorboote, die gerade am Ablegen sind kommentiert das ganze nur ironisch mit: „was für ein wunderschönes Wetter“. Man muss einfach nur alles positiv sehen, dann ist es gar nicht so schlimm. Auch unterwegs hört es nur für sehr kurze Perioden auf zu regnen, um dann um so stärker wieder anzufangen. Es ist kalt! Nach ca. 30 Seemeilen sind wir auf Måløy angekommen. Wir legen uns in den Gästehafen, aber als wir die Preise sehen (245 Kronen für Boote über 30 Fuss) steht schnell fest, dass wir das nicht bezahlen wollen… wir gehen weiter nach Silda. 150 Kronen kostet es hier und außerdem ist es viel schöner. Vor einigen Jahren waren wir schon mal hier. Da lagen wir neben einem polnischen Boot, das kleiner war als Inua mit 9 Leuten an Bord, die dann auf der Mole Yoga gemacht haben. Das war lustig. Kaum haben wir angelegt wird das Wetter besser und die Sonne kommt sogar ab und zu durch. Ab Morgen soll das Wetter besser sein, allerdings ist Nordwind (=Gegenwind) angesagt.

Wir wachen bei schönem Wetter am nächsten Tag auf, aber als wir Richtung Stad kommen, sehen wir schon dicke Schauer vor uns. Ein paar davon erwischen uns auch. Der angesagte Nordwind ist stärker als angesagt und zusätzlicher Gegenstrom verlangsamt unsere Fahrt deutlich. Als wir auf die Nordseite von Stad kommen, bekommen wir die Dünung direkt von der Seite. Die See ist unruhig. Zum Glück hält das nicht lange an. Zwischen den zwei Brücken, unter denen wir durch müssen, liegt Fosnavåg. Dort haben wir letztes Jahr auf der Route nach Süden gestoppt. Unser heutiges Ziel ist Runde, eine Vogelinsel, die nur ein paar Meilen weiter draußen liegt. Hier gibt es nur einen kurzen Schwimmsteg, an dem schon ein Motorboot und ein Segelboot liegen. Wir legen uns außen an das Segelboot, auf dem im Moment niemand an Bord ist. Die Leute vom Motorboot haben einen sehr sportlichen Hund, der auf der Jagd nach Möwen, dauernd die Molenmauer rauf und runter springt. Ich kann über die Mauer nicht drüber sehen, d.h. die ist bestimmt fast 2 Meter hoch 😉 Sein Herrchen ist am Angeln und unglücklicherweise bekommt der Hund einen Angelhaken neben ein Auge. Er hält superstill, als das Herrchen den Haken wieder entfernt und seine gute Laune ist auch nach diesem Erlebnis ungetrübt. Noch glücklicher wird er allerdings, als er eine Runde im Gummiboot mitfahren darf. Das mag er am Liebsten und sitzt auch nach der Ausfahrt noch Stunden im Boot in der Hoffnung, dass es noch mal los geht. Herrchen und Frauchen versuchen ihn ein paar Mal zu überreden an Bord zu kommen, aber er wartet voller Hoffnung. Ein richtiger gute-Laune-Hund! Als die Leute vom Segelboot zurückkommen unterhalten wir uns eine Weile, bevor die dann ablegen und wir den Platz am Steg einnehmen. Das ist das Dumme, wenn man außen an Booten dran liegt. Wenn das innere Boot gehen will, muss man immer umparken. Aber es ging problemfrei. Kurz darauf kommt noch ein Segelboot an, das sich dann außen an uns legt. Auch sehr nette Leute! Seit wir angekommen sind, ist übrigens schönes Wetter. Wir gehen eine Tour zum Vogelberg. Es ist relativ weit zu Fuß auf der Strasse, bevor der eigentliche Weg auf den Berg beginnt. Da es in letzter Zeit so viel geregnet hat, ist der Weg ziemlich nass und sumpfig. Es ist trotzdem eine schöne Tour und mit uns sind einige andere Leute unterwegs. Am Ziel angekommen sitzen schon viele Leute erwartungsvoll, teilweise mit monströsen Teleobjektiven auf den Kameras, und schauen alle in eine Richtung. Auf einem Felsen ist eine große havsula-Kolonie und auf dem Meer sieht man mit dem Fernglas Tausende von Papageientauchern, die auf dem Wasser sitzen. Ein paar Königsadler ziehen ihre Kreise unterhalb von uns an der steilen Felswand. Alle warten… Irgendwann fragen wir nach, auf was wir denn hier warten. Und wir erfahren, dass wohl alle Papageientaucher zur gleichen Zeit angeflogen kommen, um ihre Jungen in den Nestern mit Futter zu versorgen. Gegen 21 Uhr sollte der große Augenblick stattfinden. Aber da uns inzwischen eisig kalt ist und wir auch noch den ganzen Weg zurücklaufen müssen, machen wir uns an den Abstieg, bevor wir Zeuge dieses großen Ereignisses werden können. Papageientaucher haben wir wirklich schon sehr viele gesehen.

Wir haben gesehen, dass vom Hafen aus Boote mit Touristen zum Vogelfelsen fahren und wir überlegen uns, dass wir das mit Inua gut selbst veranstalten können. Und es war klasse. So viele Vögel, vor allem havsula. Die Papageientaucher sind tagsüber wohl eher weiter draußen und sammeln sich erst abends auf dem Meer vor dem Felsen, bevor sie dann gemeinsam zu ihren Nestern fliegen. Das ist sicher auch der Augenblick, auf den die Königsadler warten. Außerdem haben wir einige Grindwale nicht weit von uns entfernt gesehen. Einfach schön!! Und wir haben endlich auch mal Glück mit dem Wetter! Weiter geht es mit dem Motor und Gegenwind nach Ålesund. Einer Stadt, die vom Jugendstil geprägt ist. Sehr schöne Häuser hier, die sich im spiegelblanken Wasser spiegeln. Zum ersten Mal seit wir wieder in Norwegen sind sehen wir auch die Hurtigrute wieder. Abends treffen wir uns mit Irmelin, Stian und ihren Kindern vom Katamaran Elessis, zum Essen. Wir haben uns in Portugal in Oeiras kennengelernt und sind von dort aus zusammen nach Porto Santo aufgebrochen. In der Karibik haben wir uns einige Male getroffen und ein Ereignis wird uns unvergesslich bleiben: Grenada, Irmelin als Barkeeperin, die unsere Rumpunsch´s mixt… Es wird ein netter Abend und wir lassen noch mal die gemeinsamen Erlebnisse Revue passieren. Sie laden uns auch noch zu sich nach Hause ein. Mit Inua könnten wir uns an den hauseigenen Schwimmsteg legen, aber es sind 2 Stunden bis dahin und auch wieder zurück. Da wir Morgen nach Molde wollen, um Eldrid und Rolf von Celsius zu besuchen und für Sonntagabend Windstärke 8 angesagt ist, wird uns das zu knapp. Wenn das Tief kommt, wollen wir Hustadvika hinter uns haben. Schade!! Wir hoffen es klappt ein anderes Mal!!

Bevor wir Ålesund verlassen, schaffen wir es noch die über 400 Treppenstufen zur fjellstua/ Berghütte hoch zu steigen. Laut Irmelin und Stian ein Muss. Das Wetter ist genial mit blauem Himmel und Sonnenschein, so dass wir ordentlich ins Schwitzen kommen. Aber die Aussicht über die Stadt und die Küstenlandschaft macht das wieder wett. Als wir Ablegen wollen, bekommen wir noch Besuch von einem jungen Mann, der uns über unsere Langtour-Ausrüstung an Bord ausfragt. Er will im November starten… Gegen halb 12 kommen wir los. Leider ist nicht viel mit segeln, da es fast keinen Wind hat. Ich weiss nicht mehr wie oft wir das Vorsegel ausgerollt haben, um es kurz darauf wieder einzurollen, da der kurz aufgekommene Wind plötzlich wieder weg war. Obwohl wir nicht segeln konnten ist es ein wunderschöner Tag und es ist das erste Mal seit langem, dass wir in Jeans und T-Shirt unterwegs sind.

Als wir uns Molde nähern entdeckt Enno auf dem Kartplotter das AIS-Signal von Celsius. Sie fahren uns mit dem Boot entgegen. Als wir uns nähern schwenken sie ihre norwegische Flagge und es gibt ein großes Hallo! Ein schönes Wiedersehen! Mit an Bord bei Celsius ist noch der 3-jährige Enkel Viktor und der „russische Gesellschaftshund“ (wie Rolf ihn nennt) Kaspar. Schon vom Fjord aus bekommen wir von Rolf eine Stadtführung über Funk. Ein wenig erinnert Molde an Dubai, da es hier auch ein Hotel gibt, das wie ein Segel geformt ist. Netterweise haben die beiden für uns einen Bootsplatz im Hafen von ihrem Segelverein organisiert, so dass wir nur ein paar Boote von Celsius entfernt liegen. Es ist ein komisches Gefühl, als wir ein paar Sachen zusammenpacken und Inua ganz allein im Hafen lassen, da wir das Angebot auf ein richtiges Bett und eine ordentliche Dusche nicht ausschlagen können. Wir werden ordentlich mit frisch gefangenem Seelachs verwöhnt und es wird spät an diesem Abend. Mal wieder in einem richtigen Bett schlafen, ohne um den Platz an den Füssen zu kämpfen, ist schön. Ich darf Eldrids Waschmaschine + Trockner benutzten und jeder, der schon mal auf Langtour war, weiss, dass das Gold wert ist!! Nun kommen wir ohne weiteres Wäsche waschen bis nach Bodø. Mit dem Auto machen wir einen Ausflug in und um Molde herum. Rolf ist ein sehr guter Reiseführer und weiss wirklich viel. Am Abend fährt Rolf mit uns noch den Atlanterhavsveien. Eine Strasse mit vielen Brücken, die direkt am Atlantik entlang führt. Eldrid bleibt mit dem kleinen Viktor daheim, da es für ihn sonst zu spät wird. Wir halten an einigen schönen Stellen an. Für unseren nächsten Besuch in Molde haben wir uns schon die Wanderung zur trollkirka (Trollkirche) vorgenommen. Als wir zurückkommen hat Eldrid Waffeln gemacht!! Als ich im Laden eine Fertigteigmischung gesehen habe, musste ich Eldrid einfach fragen, ob wir Waffeln machen können. Die letzten sind schon so lange her. An diesem Abend sind wir noch länger auf. Die Männer trinken Cognac, und als Enno nach dem vierten abwinkt, nennt Rolf ihn „puse“, was so viel wie Schwächling bedeutet. Da lässt Enno sich dann doch nicht lumpen. Nach der langen Nacht haben wir am nächsten Morgen etwas länger geschlafen und aus dem geplanten Ausflug zum Trollstigen wird nichts mehr. Noch etwas, das wir uns für das nächste Mal aufsparen. Wir genießen lieber noch die Zeit zusammen in Ruhe, bevor wir gegen 14 Uhr ablegen.

 

 

 

 

 


Leave a comment

Your email address will not be published.

3 comments on “Wieder daheim in Norwegen

  • Elke Rodegerdts

    Das ist ein schöner entspannter Bericht, aus dem die Freude über die Heimkehr spricht. Danke, dass wir daran teilhaben dürfen.
    Wir freuen uns mit Euch, Ilka und Elke-Mami

  • MuPa

    Wir freuen uns schon auf das Wiedersehen in Bodø.
    Bis dahin herzliche Grüße aus den Lauvåsveien!

    Mama & Papa

  • Mia, Amelie, Gudrun und Wolfgang

    Schön zu hören, dass ihr wieder wohlbehalten zurück nach Norwegen gerückgekehrt seid. Wie fühlt man sich denn so als echte Klabauterfrau bzw. Klabautermann ? Sind schon traurig, dass eure lesenswerten Blogeinträge bald ein Ende haben, aber freuen uns darauf, euch in Bodø oder OL wieder zu sehen. Wir wünschen euch noch gutes Segelwetter und eine letzte Handbreit Wasser unterm Kiel für eure Rückkehr nach Bodø. LG von Amélie, Mia, Gudrun & Wolfgang