Sommersegeln, Teil 2 1


Trollfjord-Gullvik (Store Molla)

Wir hatten den Wecker auf 7 Uhr gestellt, aber es war schon nach 8, als wir los sind. Im Trollfjord war es friedlich, kein Wind, keine Wellen, aber als wir rauskamen wurden wir von etwas Wind überrascht, leider entgegen. Trotzdem setzen wir nach einer Weile die Segel, obwohl wir sehr hoch am Wind segeln müssen und der Kurs nicht unbedingt passt. Leider verschwindet der Wind augenblicklich wieder. Wir machen einen kleinen Abstecher in den Ulvågfjord, das ist ein schmaler, kleiner Fjord auf dem Weg nach Süden. Leider hat es zu wenig Platz zum Schwingen, wenn man dort ankern wollte (ca 15m tief), so dass man einen Heckanker zusätzlich ausbringen müsste. Da haben wir keine Lust drauf und tuckern weiter nach Gullvik. Eigentlich sollte das hier eine reine Ankerbucht sein, aber inzwischen gibt es hier eine Boje und einen Schwimmsteg. In der anderen kleinen Bucht liegt ein Segelboot, aber da kommt man nur bei Flut rein und raus. Wir legen uns erst an die Boje, überlegen dann aber, dass es einfacher ist vom Steg aus an Land zu kommen. Da wir nicht wissen ob es am Steg tief genug für uns ist, tasten wir uns langsam vorwärts ran. Es ist tief genug, so dass wir umdrehen und rückwärts an den Steg gehen. Da haben wir Wind und Wellen von vorne. Es ist toll hier. An Land gibt es einen Grill, eine Feuerstelle, Tische und Bänke und noch eine extra Bank, die in die Felswand gebaut ist. Es ist alles sehr liebevoll angelegt. Es liegen sogar Taue zum Vertäuen auf dem Steg, schön als Schneckennudel aufgerollt. Alles sieht sehr neu aus. Wir beschliessen eine Tour zu gehen. Eldrid und Rolf wollen noch die Hurtigrute im Trollfjord sehen und sind sicher nicht vor 18:30 Uhr hier. Der Weg ist mit Stoffstreifen in den Ästen markiert, aber viele sind hier noch nicht gelaufen, so dass der Weg etwas abenteuerlich ist. Wir müssen durch eine Schlucht unter dicken Felsbrocken durch nach oben kraxeln.

Immer wieder kommen wir durch kleine dunkle Tannenwälder, es ist sehr sumpfig und dementsprechend gibt es Stechviecher. Der Weg ist ziemlich uneben und zugewuchert, oft sieht man nicht, wo man den Fuss hinsetzt und wie tief es runter geht. Zudem hat es viel Moos auf den Steinen, wo es nicht richtig hält oder total nass und rutschig ist. Einmal kann ich das Gleichgewicht nicht halten und lande mit dem Hintern in der tiefsten Stelle, wie ein Käfer auf dem Rücken. Zum Glück war es kein Wasserloch 😉 Nach einer Weile kommen wir zu einem See, es hat hohe Berge um uns herum. Wir gehen noch ein Stück weiter auf einen kleinen Gipfel und werden mit einer tollen Aussicht belohnt. Als wir wieder am Boot ankommen, sind wir nicht mehr alleine hier. Das Segelboot, an dem wir im Trollfjord aussen dran lagen, liegt auf der anderen Seite am Steg und an der Boje liegt noch ein Segelboot. Obwohl ich viele Mückenstiche eingesammelt habe heute, war es eine klasse Wanderung. Gegen 19 Uhr kommen Eldrid und Rolf, die sich aussen an uns dran legen. Es wird ein netter Abend mit Rum als Ankerdram und vielen karibischen Erinnerungen. 

Gullvik

Wie stehen spät auf, frühstücken im Cockpit. Danach gehen wir eine kleine Tour mit Eldrid und Rolf auf den nächsten Hügel, weil es hier sonst kein Handynetz (jedenfalls nicht Telia) hat. Es ist superschönes Wetter und es ist heiss. Fast wie in der Karibik und wir sind froh, dass es im Cockpit schattig ist, denn sonst würde man es nicht aushalten. Am nächsten Tag fährt Enno mit Rolf eine Runde mit unserem B und dem Elektromotor soweit raus, dass sie über den Vestfjord sehen können und Rolf seine Mutter anrufen kann und zum Geburtstag gratulieren kann. Von ihr war der lecker klippfisk, den wir gestern Abend bei Eldrid und Rolf (in Form von Bacalao) an Bord geniessen konnten. Am Nachmittag fahren wir mit dem B in die nächste Bucht, um von dort aus den “alten Weg” ins Dorf zu gehen. Ein schöner Weg, aber es fühlt sich mehr so an, als ob wir auf den Kanaren wären, es ist so heiss… Zurück an Bord brauchen wir eine Abkühling und hüpfen ins Wasser… ist kalt, 14 oder 17 Grad – unsere Thermometer sind sich nicht einig, aber es ist total erfrischend so dass wir noch einen zweiten Sprung wagen. Lange hält man es allerdings nicht aus bei den Temperaturen, aber beim zweiten Mal ist es nicht mehr so schlimm, wie beim ersten Mal, wo einem wirklich die Luft weg bleibt. Unter Deck hat es 30 Grad, im Cockpit ist es schattig mit einer leichten Brise, perfekt!! Eldrid und Rolf haben von einem Typ von einem Motorboot, die hier gegrillt haben eine kleine Geschmacksprobe vom gegrilltem Wal bekommen. Sie haben uns was davon aufgehoben und das war wirklich superlecker – obwohl ich sonst eigentlich lieber keinen Wal esse! 

Spät am Abend kommt noch ein Riesenkatamaran und legt sich auf die andere Seite vom Steg. An Bord sind bestimmt 10 Russen. Aber die sind nicht sehr kontaktfreudig.

Es hat die ganze Nacht über 20 Grad, so was nennt sich hier eine Tropennacht!

Gullvik-Skrova

Wir machen uns noch einem gemütlichen Vormittag. Eldrid will überhaupt nicht weg hier. Eigentlich dürfte man hier nur maximal 2 Tage liegen. Aber wir rechnen aus, da wir aneinander lagen und somit nur einen Platz am Steg besetzt hatten, hätten wir eigentlich 4 Nächte bleiben dürfen, oder?? Es kommen noch 2 ältere Paare mit ihren Motorbooten an. Die Frauen haben absolut keine Ahnung von Booten. Eine steht nur da und hält das Tau, das am Steg befestigt ist in den Händen, satt es auf die Klampe zu legen. Sie kann das Boot kaum halten, da der Wind das Boot vom Steg weg treibt… Ich nehme es ihr ab und lege es auf die Klampe – sie schaut mich nur mit grossen Augen an. Aber nett sind sie! Erzählen uns von einer Fernsehserie, die hier vor ein paar Jahren gedreht wurde. Eine Familie, die mit 2 Kindern hier in der Pampa leben wollte, ohne Wasser und Strom… Tid til å leve

Celsius legt ab mit dem Plan einen kleinen Abstecher nach Svolvær zu machen. Wir nehmen den direkten Weg nach Skrova. Wir können sogar segeln!!! In Skrova finden wir überraschenderweise noch einen Platz an einer Gästebrücke etwas entfernt vom Zentrum. Wasser und Strom gibt es leider nicht. Als Celsius etwa eine Stunde später ankommt legen sie sich auf die Innenseite des Stegs, zwischen Schwimmsteg und festem Holzkai. Es passt genau und ist auf jeden Fall der ruhigere Platz. Allerdings entdecken wir ein Tau, das nicht allzutief zwischen Steg und Kai verläuft. Da müssen wir morgen wohl auf Flut warten, um Celsius da wieder raus zu kriegen!! An Bord von Celsius essen wir zum ersten Mal Krabben (also die grossen). Rolf hatte gestern noch die Reusen ausgelegt und heute Morgen waren 3 Krabben drin, die Eldrid noch gekocht hat, bevor sie heute los sind.

Wir lernen wie man Krabben isst 🙂

Skrova – Das grosse Krabben-Essen

Abends gehen wir Essen: Fish&Chips für alle, sehr lecker!!! Auf dem Rückweg beobachten wir ein kleines Motorboot beim Ablegen vom Steg. Frau und Kind sitzen im Boot, Mann löst die Taue vom Steg, schubst das Boot vom Steg weg, setzt sich auf seinen Kapitänsstuhl und will den Motor starten. Das Boot treibt langsam aber sicher auf ein Boot am Steg daneben zu. Der Mann erhebt sich schlagartig von seinem Stuhl, durchwühlt einen Rucksack, findet den Schlüssel und bekommt den Motor gerade noch rechtzeitig gestartet…

Wir liegen mit dem Bug in den Wind und haben volle Sonne im Cockpit – es ist superheiss!!  Abends kommen noch ein paar Regentropfen, aber es kühlt nicht ab.

Skrova-Dalsvær

Wir haben gestern Abend schon einen Laden entdeckt, so dass wir nach dem Frühstück ins Dorf gehen. Es ist ein kleiner, enger Coop und es gibt kein Wasser ohne Blubb! Da es hier auch kein Wasser am Steg gibt, wird das Trinkwasser an Bord langsam knapp. Duschen können wir nur noch einmal, denn dann ist der Tank leer. Wir essen zusammen Wurstsalat oben am Steg im Schatten. Dabei beobachten wir einen Otter, der dort herumläuft. Wir vermuten, dass er nicht ganz gesund ist, da er ziemlich dünn ist und sich mitten in der prallen Sonne ablegt (um Pause zu machen?) bevor er weitergeht. Komische Sache.

Als es Flut ist, ziehen wir Celsius vorsichtig nach hinten raus. Es klappt ohne Probleme und als wir gerade ablegen schwimmt der Otter vor uns durchs Wasser aufs andere Ufer zu.

Schon bald sind wir zusammen auf dem Weg über den Vestfjord. Kein Wind, plattes Wasser, fahren mit Motor. Wir sehen ein paar Schweinswale als wir Skrova verlassen und einige Papageientaucher, Seeschwalben und natürlich Möwen.

Celsius mit dem Leuchtturm von Skrova

Mitten auf dem Fjord: Eine Seeschwalbe auf einem Holzstück, das sie sogar heftig verteidigen musste. Eine Möwe wollte auch da sitzten…

Ein Walfangboot dümpelt mitten auf dem Fjord herum. Kurz vor unserem heutigen Ziel sehe ich einen Wal ein gutes Stück weiter weg. Leider sehe ich nur 2x kurz die Rückenflosse, dann ist er weg – hoffentlich nicht in Richtung Walfangboot! Celsius ist ca. eine halbe Stunde vor uns auf dem Ankerplatz. Wir ankern bei knapp 10m Tiefe. Es ist superschön hier, es hat viele Austernfischer und Seeschwalben. Das Wasser hat laut Eldrid 20 Grad und die beiden baden schon. Wir lassen erstmal unser B zu Wasser, da unsere Badeleiter nicht so gut ist. Es ist besser noch eine weitere Möglichkeit zu haben wieder an Bord zu kommen, falls es mit der Leiter nicht klappt. Funktioniert aber. Das erste Mal ist es kalt, beim zweiten Mal total angenehm. Rolf ruft rüber, dass es Abendessen heute bei Celsius an Bord gibt. Lecker Pizza!! Haben wir noch nie an Bord gemacht, aber das wird wohl nicht so bleiben!! Ein schöner Abend. Eldrid und Rolf haben so ein gasbetriebenes Teil, in das man Tabletten einlegt und das die Mücken fern hält. Funktioniert super, sogar wenn man im Freien sitzt. Wieder an Bord von Inua bläst es plötzlich mehr. Wir haben uns 180 Grad gedreht, d.h. der Anker liegt in die andere Richtung, was eigentlich nicht so praktisch ist. Enno sitzt noch eine Weile draussen und beobachtet die Sache. Er hat den Ankeralarm ziemlich knapp eingestellt, so dass der schon bei einer kleinen Änderung los geht, macht er aber nicht. Celsius verlängert auch noch die Ankerkette  wegen dem Wind. Später in der Nacht ist es dann wieder total windstill

Dalsvær

Es war heiss heute Nacht!! Das muss die 4. oder 5. „tropenatt“ hintereinander sein. Sonst gibt es nur eine oder zwei pro Sommer. Sogar Tromsø hatte eine Tropennacht, was es wohl noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnung gab. Am Anker, mit Wind von vorne und Sonne im Cockpit ist es fast nicht auszuhalten. Zum Glück kann man ab und zu ein abkühlendes Bad nehmen. Wir lassen die Drohne fliegen und machen ein paar schöne Bilder.

Wir sind uns noch total unsicher, wohin es weiter geht. Der Wetterbericht fürs Inland sieht nicht gut aus, viel Regen, so dass der Tysfjord erstmal nicht aktuell ist. Ab morgen soll es sich dann auch auf 13/14 Grad abkühlen – kaum vorstellbar!

Wir verbringen den heissesten Teil des Tages unter Deck, da die Sonne ins Cockpit knallt. Es kommen noch 2 Motorboote, die sich zusammen an einen Anker legen. Die Reihenfolge beim Ablegen: Anker rauf, Fender zwischen den Booten weg, Vertäuung lösen, dann Motor an. Echt unglaublich, was machen die, wenn der Motor nicht anspringt?!?

Am Nachmittag besuchen wir Eldrid und Rolf kurz mit dem B um sie heute zum Abendessen bei uns an Bord einzuladen. Danach fahren wir zum Strand und überraschen 3 etwas knapp bekleidete Damen, die hierher gewandert sind. Am Strand ist das Wasser noch wärmer! Inzwischen ankert hier noch ein Segelboot, und an das sich ein kleineres Motorboot gelegt hat.

Es wird ein schöner Abschiedsabend mit Eldrid und Rolf! Als die beiden mit ihrem Gummiboot zurückrudern, sieht man schon dunkle Wolken über den Bergen. Rolf lässt noch seine Drohne fliegen und schafft es gerade noch rechtzeitig, sie vor den ersten Windböen und den ersten dicken Regentropfen herunterzuholen. Enno befestigt auch noch die Solarzellen besser, damit die nicht den Abflug machen. Dann bricht das Unwetter los: viel Wind, heftiger Regen. Der Ankeralarm geht ein paarmal los, aber alles ist gut. Nach 10 Minuten ist das ganze Spektakel vorbei und es ist wieder ruhig. Die vom anderen Segelboot wollten eigentlich bis morgen bleiben, aber als der erste Wind aufkam, haben sie den Anker hoch geholt und sind verschwunden.

 

Dalsvær-Skutvik

Celsius hat um 9 Uhr den Anker gelichtet. Wir stehen auf und winken. Es waren echt ein paar schöne Tage zusammen!! Nun haben wir die Bucht ganz für uns alleine. Enno versucht nochmal einen aktuellen Wetterbericht herunterzuladen. Das klappt nicht immer hier, da es nur manchmal Handy-Empfang hat und der dann superschlecht ist. Aber dieses Mal klappt es: Ab 13 Uhr soll es Gewitter geben. Wir frühstücken und beginnen die Solarzellen abzubauen. Trotzdem wollen wir nochmal baden – das ist ja wahrscheinlich das letzte Mal dieses Jahr, da es ja ab jetzt kalt werden soll.  Wir kommen gegen halb 11 los. Kein Wind, plattes Wasser und wir brauchen nur ca 1 Stunde bis Skutvik. Die Gästebrücke liegt inzwischen an einer anderen Stelle, als im Norwegian Cruising Guide und im Havneguide angegeben. Als wir ankommen legen gerade ein Segelboot und ein Motorboot ab. Wir haben also die freie Auswahl. Hier können wir endlich unseren Wassertank wieder auffüllen – gut, dass wir ein paar Tage im Meer baden konnten, sonst hätten wir schon früher einen Platz mit (Dusch-)Wasser finden müssen und hätten nicht so schön lange in den Ankerbuchten rumhängen können. Aber heute Abend gibt es mal wieder eine ordentliche Dusche!! Während Enno noch schnell mit der Drohne fliegt und Bilder macht, baue ich unser Cockpit-Zelt auf. Wir bekommen den Wind und den Regen von hinten, wenn es anfängt und da ist es netter, wenn man das Cockpit trotzdem noch benutzen kann. Wir sind gerade mit allem fertig, als es auch schon anfängt zu blasen und zu regnen. Wir sitzen gemütlich in unserem Zelt und trinken Kaffee, während es in den Bergen um uns herum donnert. In einer gut getimten Regenpause gehen wir ins Dorf. Wir finden die Tanke und einen kleinen Landhandel. Kaum zurück im Boot prasselt der Regen runter wie nichts Gutes. Es ist noch immer warm, viel angenehmer jetzt!


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One comment on “Sommersegeln, Teil 2

  • Elke Rodegerdts

    Das war ein gelungener Urlaub! Sogar mit ein paar heißen Tagen (wovon wir leider in diesem Jahr viel zu viele hatten).
    Danke für die beiden unterhaltsamen Berichte und die schönen Fotos. Das Mitreisen per Blog macht viel Spaß.
    Liebe Grüße Euch aus HH von Eurer Ilka und Elke