Sommer 2020, Teil 2 2


25.6. Stamsund

Mein Geburtstag! Enno macht frische Brötchen zum Frühstück während ich im Bad bin und als ich rauskomme erwartet mich so ein schöner Geburtstagstisch!!

Enno macht frische Brötchen zum Frühstück

Nachdem es heute Nacht heftig geregnet hat, scheint jetzt wieder die Sonne und wir machen es uns im Cockpit gemütlich mit unseren Büchern. Später gehen wir ein kleines Stück spazieren, aber es kommen dunkle Wolken und wir gehen zurück zum Boot. Um Stamsund rum gibt es irgendwie nicht so gute Möglichkeiten für eine Wanderung.

Buøya bei Stamsund

Im Laden ganz in der Nähe finden wir eine Fischleine, denn auch die Angel haben wir daheim vergessen. Abends gehen wir im Restaurant direkt an der Brücke essen. Lecker Fish&Chips und einen genialen Rhabarberpai zum Nachtisch. Es war ein toller Tag und die Sonne kam immer wieder durch und Enno hat mir jeden Wunsch von den Augen abgelesen. Ein perfekter Geburtstag.

Inua in Stamsund

26.6. Stamsund – Nordskott

Es sieht so aus, als ob es jetzt besseres Wetter näher am Festland hat. Als wir aus Stamsund rauskommen setzten wir Segel. Zuerst hatten wir etwas wenig Wind und die Segel standen nicht gut, aber nach und nach wurde der Wind mehr und stabiler, so dass nicht mehr jede Welle die Segel flattern liess. Wir segeln mit 5-7 Knoten über den Vestfjord. Die Sonne kommt immer mehr durch. Wir gehen auf den Ankerplatz etwas südlich von Nordskott (an den, wo wir vor 2 Jahren vor dem Monster geflohen sind). Die Sonne kommt inzwischen auch ab und zu durch und es wird ein windstiller Abend. Aber der Wind soll drehen und morgen soll es um die 20 Knoten Wind haben von NO, aber schönes Wetter.

27.6. Nordskott – etwas südlich davon, zwischen Grøtøya und Burøya

Heute Nacht hat es wie angesagt angefangen mehr zu blasen, aber es gab keinen Ankeralarm. Morgens war es erst noch kühl im Cockpit, aber als die Sonne dann mehr nach Süden kam war es perfekt. Der Wind ist allerdings kalt. Wir verbringen den Tag faul im Cockpit. Eigentlich wollten wir mit dem B die Schärenlandschaft um uns herum erkunden, aber bei dem kalten Wind können wir uns nicht aufraffen. Es gibt hier sehr viele Seeschwalben, die man gut bei ihrer Flugakrobatik beobachten kann.

28.6. Nordskott – Færøyvalen (Sørfold)

Auch heute Morgen hat es noch Wind, angesagt war keiner. Aber da wir weiter wollen, passt das gut. Mit dem Anker kam ein Schneckenhaus hoch, das sich im Anker verkeilt hatte. Nach kurzer Zeit hat der Bewohner den Kopf aus seinem Haus gestreckt und sich wohl gewundert was hier vor sich geht. Hab ihn wieder in Wasser geworfen.  Nachdem wir aus der Grøtøyleia raus sind, setzten wir Segel. Leider wird das nur ein kurzer Spass, denn der Wind muss ein Lokaleffekt gewesen sein. Also Segel wieder einrollen, Motor an. Plattes Wasser. 

Als ich unten gerade Tee und Kaffee mache kommt wohl wieder Wind auf und Enno setzt die Segel. Es kommt mehr Wind als gedacht, und ich hab alle Hände voll zu tun, um die Tassen und die Kanne mit der Öffnung nach oben zu balancieren, als Inua sich plötzlich heftig schräg legt. Ein kleiner broach und die Hälfte von Ennos Tee landet gut verteilt in der Küche. Nachdem unten alles “gerettet” ist gehe ich hoch zu Enno. Der Wind ist total böig, so dass wir leicht broachen und ausgerechnet jetzt müssen wir zwischen ein paar dicht beieinander liegenden Inseln vorbei. Ich bin etwas gestresst, aber alles klappt gut. Der Wind hält sich auch, als wir wieder im offenen Wasser sind und wir setzten Kurs Richtung Rørstad. Wir müssen kreuzen, aber wir machen super Fahrt trotz viel Schräglage. 

Enno testet unterwegs die Spannung der Warten (die halten den Mast oben) und stellt fest, dass die zu schlack (norwegisch für locker A. d. Red.) sind. Wir müssen den breiten Fjord bis fast ans Land kreuzen, bevor wir schlagen können, um nicht die Inseln im Norden zu treffen. In Rørstad liegen schon 4 Motorboote am Steg. Kein Platz mehr für uns. Enno dreht auf der Stelle, da es hier wenig Platz hat um im grossen Bogen zu drehen. Am Strand könnte man ankern, aber auch da liegen schon 2 Motorboote und es sind einige Leute am Strand. Wir gehen weiter zu dem gut beschützten Ankerplatz weiter innen im Sørfollafjord. Hier sind einige Leute auf ihren Hütten und es liegen ein paar Motorboote an den Stegen, aber die stören uns nicht. Wir ankern bei 11-12 Meter Tiefe, es ist noch nicht ganz Flut. 2 kleine Jungs winken uns von Land aus zu und rufen “hei”. Sieht so aus, als ob ein ankerndes Segelboot ein Ereignis hier ist. Wir winken zurück. Es hat viele Vögel hier, meist Austernfischer, aber auch Reiher und Brachvögel … und natürlich Möwen. Wir essen etwas bevor wir mit dem B an Land gehen. Es ist idyllisch hier mit einem kleinen Birkenwald und dem Sjunkfjord auf der anderen Seite. Wir gehen querfeldein auf einer kleinen Insel mit einigen Ruinen von Steinhäusern, aber auch Holzhäusern, die verfallen. Wir treffen auf eine alte Steinbrücke, die früher 2 kleine Inseln miteinander verbunden haben. Auf dem Rückweg folgen wir dem Weg der Schafe, der sich als mehr praktisch erweist. Das war ein netter kleiner Ausflug.

Wir strammen beide Oberwanten nach, dabei stellt Enno fest, dass ein Splint nicht richtig angebracht war. Zum Glück hat der Schutz über den Wanten den Splint am Platz gehalten. Wäre der rausgefallen, wäre der Mast runtergekommen. Nun haben wir alle Wanten gecheckt und die anderen waren alle OK. Wir sitzen noch lange im Cockpit und geniessen die Mitternachtssonne. Hier, mehr im Inland, ist es wärmer als auf den Lofoten oder dem Ankerplatz in Steigen.

29.6. Færøyvalen

Schönes Wetter mit ab und zu ein paar Wölkchen über den Bergen. Wir nehmen das B, das jetzt ja einen 6PS Motor hat und fahren in den Sjunkfjord. Auf dem Hinweg haben wir etwas Wellen, aber von hinten. Es ist toll hier und man fühlt sich ganz schön klein im Gummiboot mitten im Fjord und umringt von hohen, spitzen Bergen. Es sind 6,5nm bis zum Ende des Fjords. Da ablaufend Wasser ist , ziehen wir das B nur ein kleines Stück an Land hoch. Es hat hier sogar einen Weg und frisch mit der Axt gefällte Bäume, aber ausser ein paar neugierigen Schafen sehen wir niemanden. 

Es ist das Paradies hier: kleine Wälder, Grasflächen und Wasserfälle, die die Felswände herabstürzen.Es hat noch relativ viel Schnee in den Bergen. Wir treffen auf ein verfallenes Haus mit Scheune und einem Stall, von dem nur noch ein paar Mauern übrig sind. Wir wandern eine Weile durch die Gegend. In Gummistiefeln zu wandern ist nicht das Dümmste; kein Problem mit Bächen und der Sumpflandschaft.

Zurück mit dem B ist das Wasser platt. Es ist schön, dass wir jetzt mit dem B auch grössere Ausflüge machen können. Zurück bei Inua hören wir schon den Ankeralarm, aber es hat sich nur die Windrichtung geändert, alles gut. Wir verbringen den Nachmittag faul im Cockpit, es ist schön warm, wir lesen und beobachten Vögel. Abends kommt noch einer von den Hüttenbesitzern mit Sohn im Motorboot vorbei und sagt Hallo. Es hat schon abends ab und zu getröpfelt, aber wir sassen fast bis Mitternacht draussen. Morgen gehts nach Bodø, um all die Sachen zu holen, die wir vergessen haben.

30.6. Færøyvalen – Bodø

Heute sind die Berge in den Wolken verschwunden – jetzt ist wohl erstmal Schluss mit dem schönen Wetter. Heute Nacht hat es auch mal heftig geregnet, aber das Teak draussen ist fast trocken als wir den Anker lichten. 

Bis kurz vor Kjerringøy ist null Wind, aber ab da können wir dann segeln. Als wir an Karlsøyvær vorbei sind kommen die Wellen ungebremst herein. Wir können nicht den optimalen Kurs nehmen, da der Wind sonst direkt von hinten käme und dann würden die Segel nicht stehen bei den Wellen. Passt aber trotzdem ganz gut und kurz vor dem Nyholmensund rollen wir die Segel ein. Ein schaukeliger, aber schöner Segeltag. Wir hatten Glück, denn kein Regenschauer hat uns erwischt. Erst als wir zum Auto gelaufen sind, sind wir etwas nass geworden. Wir haben ein Knöllchen bekommen, da wir ohne Parkausweis auf dem Marinaparkplatz geparkt haben… aber den konnte man ja nie holen, da die immer wegen Corona geschlossen hatten… sehr ärgerlich und das macht auch gleich einen Teil der Erholung wieder zunichte. Aber heute Abend ist es zu spät, um sich darum zu kümmern. Sieht so aus als ob wir morgen nicht so zeitig loskommen. Wir erledigen alles, fahren heim und holen die vergessenen Sachen. Die Gasflasche zu tauschen erweist sich als schwierig. Nach 3 Tankstellen, die ausverkauft sind, bekommen wir endlich eine beim CityNord.


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2 comments on “Sommer 2020, Teil 2

  • MuPa

    …und wieder durften wir Erlebnisse von euch nachverfolgen. Wir freuen uns auf weitere schöne Aufnahmen!

    Liebe Grüße von Mama & Papa

  • Elke Rodegerdts

    Wir genießen den Urlaub mit euch!!
    Danke für die Berichte und tollen Fotos. So nehmt ihr uns mit auf die Reise.

    Dicke Bussis von Ilka und Elke