Sommer 2020, Teil 3 2


1. Juli Bodø – Nordskott

Wir haben auf Inua übernachtet, daheim ist der Kühlschrank leer und der Warmwasserbereiter ist ausgeschaltet. Bei Bodø Havn haben wir nun den Parkausweis geholt, die sagten, sie hätten eine Mail geschickt als sie wieder geöffnet haben – die muss wohl im Spam gelandet sein. Da gibt es dann allerdings auch nichts zu klagen und wir überweisen den Betrag. Wir fahren noch an der Tanke vorbei und füllen den Dieseltank auf. Nach 140 Litern kommt nichts mehr aus dem Schlauch, aber der Tank ist noch nicht voll, hmm. Hoffentlich haben wir jetzt nicht den Bodensatz Diesel von der Tanke in unserem Tank?!? Der Skipper vom Segelboot Balinn kommt vorbei, kurze Zeit später auch sein Hund, ein neugieriger Irish Setter. Mit Balinn sind wir gestern ab Karlsøyvær zusammen gesegelt, d.h. wir sind gesegelt und die mit Motor. Die kamen von der Aussenseite von Karlsøyvær und hatten den Wind direkt von hinten. Er erzählte auch, dass die Segel nicht standen bei den vielen Wellen. Wir sind erst um 14 Uhr losgekommen. Kurz nach dem Nyholmensund setzen wir Segel und erst kurz vor der Grøtøyleia holen wir sie wieder ein. Ein super Segeltag, und obwohl angesagt, haben wir keinen Tropfen Regen abbekommen. Es ist den ganzen Tag bedeckt mit wenigen blauen Stellen am Himmel, trotzdem hab ich einen leichten Sonnenbrand bekommen. 

Anlegen war etwas chaotisch, da ich das Tau nicht weit genug nach hinten am Steg festgemacht hatte und der Wind uns vom Steg weg getrieben hat. Enno bekommt es aber trotzdem hin und bald liegen wir gut vertäut da. Wir liegen an dem kleinen Steg in Nordskott, der irgendwie seit dem letzten Besuch (2018) ein Element kürzer geworden ist. Als wir unten beim Essen sind, kommt der erste Regenschauer, wenn das nicht ein perfekter Tag war!!

2. Juli Nordskott – Lauksund (im Raftsund)

Es ist bewölkt heute und heute Nacht hat es auch einige Regenschauer gegeben. Auf dem Vestfjord sieht es besser aus. Wir kommen gegen 11:30 Uhr los. Wind von schräg hinten mit 19-27 Knoten Windstärke. Wir rollen das Vorsegel nicht ganz aus und kommen superschnell voran. Wir brauchen ca 3 Stunden über den Vestfjord und hatten eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 7,5 Knoten. Das ist nicht schlecht. Auf dem Vestfjord hatten wir Sonne pur, aber über dem Land vor und hinter uns sieht es düster aus. Wir kommen gut nördlich von Skrova, Lille Molla und Store Molla vorbei. Als wir an der Store Molla vorbei sind wird es ruhiger, windmässing und auch wellenmässig, dafür ist vor uns eine dunkle Wand. Die Berge sind nicht mehr zu sehen, aber der Regenschauer hat sich verzogen als wir in den Trollfjord kommen. Ein paar Touristen-RIB´s sind im Trollfjord und es fängt doch wieder an zu regnen und wir werden zum ersten Mal nass in diesem Urlaub. Im Trollfjord wird gearbeitet. Den Holzkai gibt es nicht mehr, dafür wird das Gebäude auf der nördlichen Seite renoviert. Auf der südlichen Seite, wo wir sonst immer am Schwimmsteg angelegt haben, liegen Boote von den Arbeitern und ein Kran an Land ist über den Steg geschwungen. Nicht so praktisch da zu liegen. Wir fahren wieder raus und legen uns etwas weiter südlich im Lauksund vor Anker. Es ist schön hier und es regnet auch nicht mehr, sogar die Sonne zeigt sich ab und zu. Enno hat zwischen den Schafen an Land ein Lama entdeckt. Es gibt Pizza heute, lecker! Später scheint die Sonne und es regnet, was uns einen schönen Regenbogen in die Landschaft zaubert. Auf dem Weg hierher haben wir ein Schiff gesehen, das aussah wie eine Hurtigste und auch wieder nicht. Auf dem AIS sehen wir, dass es die Fridtjof Nansen ist. Das ist eine Hurtigste, die hier normalerweise nicht unterwegs ist. Die liegt vor Anker mit ihren kleinen Beibooten im Wasser, um wahrscheinlich Touristen durch die Inseln und in den Trollfjord zu schippern. Man fragt sich nur, wo die Touristen her haben?!?

3. Juli Lauksund – Sortland

Wir hatten eine ruhige Nacht, blauer Himmel plattes Wasser, da es völlig windstill war. Als Enno das Regenwasser aus dem B liess (Stöpsel ziehen, schräg hängen), hat er die Idee gehabt, das wir noch einen kleinen Ausflug mit dem B in den Grunnfjord machen könnten. Das war eine super Idee, denn es ist sehr schön hier. Mit der Caracol (unserem ersten Segelboot) haben wir hier am Eingang schon mal geankert, aber ansonsten kommt man mit einem Segelboot und etwas Tiefgang hier nicht weiter rein. Kein Problem mit dem B. Auf dem Rückweg zu Inua kommen uns die Wellen entgegen, aber wir werden nicht sehr nass. Wir machen noch einen kleinen Abstecher zu dem Sandstrand auf der südlichen Insel. Hier steht ein altes Haus, das leider auch total verfällt und ein paar aufgeregte Austernfischer. 

Wir haben, wie geplant, die Strömung mit uns, als wir durch den Raftsund gehen. Das Wetter wird immer besser, und da wir die Sonne im Cockpit haben, wird es auch angenehm warm. Am Ende vom Raftsund machen wir einen kleinen Abstecher in einen Fjord Richtung Osten (Ingelsfjord). Ein gut beschützter Platz, aber auf ankern etwas eng. Als wir weiter rein kommen, sehen wir ein Fischerboot, das an einem Holzsteg mit Bootshaus festgemacht ist. Der muss sich keine Sorgen machen, wenn Sturm kommt. Wir fahren wieder raus auf den Hadselfjord. Inzwischen hat es etwas Wind und wir setzen die Segel. Vor uns auf dem Fjord segelt noch ein anderes Segelboot. Der Spass hält leider nicht lange an, denn nach kurzer Zeit schläft der Wind wieder ein. Wir holen auf das andere Segelboot ein und Enno entdeckt, dass das eine Maxi ist, so wie die Caracol. Als wir näher kommen sagt Enno auf einmal “ich glaube da steht Caracol am Heck”. Und tatsächlich, es ist die Caracol. Da wir mehr Fahrt machen, haben wir die bald eingeholt, die wundern sich sicher, warum wir direkt auf sie zielen, aber als wir in Rufweite sind erzählen wir ihnen, dass das unser erstes Segelboot war. Es stellt sich heraus, dass es eine deutsche Familie ist, die schon länger wie wir in Norwegen, auf den Vesterålen, leben. Lustige Sache!! Die wollen nach Sortland. Kurzentschlossen ändern wir unsere Pläne und machen ab, dass wir uns dort treffen (wir wollten eigentlich weiter nach Norden, nach Alsvåg in eine Ankerbucht). In Sortland ist noch eine Seite am Steg frei, wir legen relativ weit vorne am Steg an, aber als der Tiefenmesser genau 2 Meter anzeigt (ist allerdings nicht kallibriert, müsste tiefer sein) ziehen wir Inua zurück bis ans Ende vom Steg, weiter weg vom Land. Nach einer Weile zeigt die Logge 1,80 Meter. Enno misst mit dem Massband nach und es hat über 2 Meter Tiefe, allerdings liegt direkt unter der Logge ein Betonklotz, der den Steg verankert und da ist es eher nicht so tief. Macht aber nichts, da der Kiel ja viel weiter hinten ist. Als die Caracol ankommt legen die sich aussen längs an uns dran. Das ist schon ein Bild, die kleine Caracol, daneben sieht Inua wie ein Riese aus. Die laden uns zum Kaffee ein, damit wie die Caracol besichtigen können. Alte Erinnerungen kommen hoch, die Caracol ist schon auch ein gemütliches Boot. Wir machen gemeinsames Abendessen bei uns an Bord, da der Gasherd schneller geht als der Spirituskocher auf der Caracol. Es wird ein supernetter Abend!!

4. Juli Sortland – Andenes

Die Caracol kommt eine gute Stunde vor uns los, wir starten gegen 12 Uhr. Es hat wenig Wind und der kommt uns entgegen, also Motor an. Eigentlich wollten wir aussen an der Langøya vorbei, aber ohne Segel überlegen wir, dass die Wellen, die wir jetzt schon haben, noch  nur nerviger werden können. Also gehen wir durch die Risøyrenna. Als wir ins Le der Andøya kommen haben wir keine Wellen mehr. Es ist bewölkt und recht kühl. Am südlichen Ende der Risøyrenna kommt uns die Küstenwache entgegen, allerdings ein etwas kleineres Schiff, so dass wir auch in der Renna gut aneinander vorbei gekommen wären. Als wir am nördlichen Ende rausfahren kommt endlich die Sonne durch und es wird auch gleich wärmer. Wir machen beide nacheinander einen Mittagsschlaf. In Andenes legen wir im Østre Havn I an. Es hat gerade noch einen freiten Platz am Steg, allerdings ist dieser Platz gut mit Fendern und Tauen ausgestattet. Die Taue liegen so um die Klampen herum, dass es fast nicht möglich ist, unser Tau fest zu machen. Anmsonsten liegen hier nur Fischerboote. Auf der Tafel an Land steht, dass man den Hafenchef anrufen muss, wenn man ankommt. Enno macht das und wir bekommen Bescheid, dass wir hier liegen können. Gut, ich dachte schon, dass das vielleicht ein fester Platz für ein Fischerboot ist. Wir laufen zum Leuchtturm und schauen uns auch noch den Østre Havn II an. Da liegen 2 Segelboote, aber die haben so geparkt, dass wir nicht mehr dazwischen passen würden. Einiges wurde umgebaut hier. An dem Holzkai, an dem wir fest gemacht haben, als wir vor ein paar Jahren hier waren, liegen nun Schiffe, die zur Walsafari genutzt werden, aber es sind fast keine Touristen da. Eigentlich wollten wir schauen, ob Andenes sich als Startpunkt nach Spitzbergen eignen würde, das sieht aber nicht so aus. Obwohl die Tankstelle praktisch gelegen ist, muss man weit laufen, um in den nächsten Lebensmittelladen zu kommen. Ausserdem hat es nicht viele freie Plätze und wenn man aussen an einem anderen Boot liegen muss, wird das mit proviantieren auch komplizierter.

5. Juli Andenes – Sortland

Sonne, plattes Wasser: optimale Bedingungen für Walsafari!! Wir fahren raus bist zur Kante, wo sich die Wale normalerweise aufhalten. Sonst hat man immer die organisiertet Walsafarischiffe, dann denen man sich orientieren kann, aber heute ist keins draussen. Wir sehen keinen einzigen Wal, ausser einem Schweinswal, aber die sehen wir ja häufig. Als wir näher zur Langøya kommen, kommt auch etwas Wind, direkt von hinten, und wir rollen das Vorsegel aus. Leider wird es immer mehr bewölkt. In Sortland legen wir an unserem alten Platz an. Da es schon nach 21 Uhr ist, machen wir nicht mehr so viel an diesem Abend.

6. Juli Sortland

Schönes Wetter, als wir aufwachen, aber der Wind bläst von hinten ins Cockpit, so dass es da zu kalt ist. Wir bauen das Cockpitzelt auf, dann ist es super, angeheizt von der Sonne und ohne Wind. Ich nutze den Tag um Wäsche zu waschen. Da es bläst trocknet die Wäsche schnell. Nachmittags machen wir uns auf den Weg zur Steiroheia. Enno hat die Wanderung auf der ut.no-App gefunden. Uns begleiten tausend Fliegen, die um unsere Köpfe schwirren bis wir aus dem mit Bäumen bewachsenen Teil rauskommen und es wieder Wind hat. Dafür ist der Wind eisig kalt. Oben finden wir eine Hütte und wir setzen uns dort in den Windschatten und geniessen die windstille und fliegenfreie Aussicht, bevor wir uns an den Abstieg machen. Die Wanderung ist ein Rundweg und ich bin froh, dass wir die Geröllhalde, die wir das letzte Stück hoch mussten, nicht wieder runter müssen, aber der Wind bläst uns eisig entgegen. Hier hat es noch einige Schneefelder und wir kommen auch dicht an einem vorbei. Kein Wunder, dass es so kalt ist, brrr. Wir kommen an einer DNT-Hütte vorbei, die aber wegen Corona geschlossen ist, und ab da ist der Wind dann weg… dafür die Fliegen wieder da. Der Weg geht an einem hübschen Fluss entlang, vorbei an einem alten Wasserwerk, das nicht mehr in Betrieb ist. Es ist eigentlich nur noch der Staudamm und ein kleines Haus übrig. Auf dem Rückweg zum Hafen gehen wir noch frische Sachen einkaufen. Es bewölkt sich immer mehr, aber in unserem Cockpit ist es angenehm warm unter dem Zelt.


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2 comments on “Sommer 2020, Teil 3

  • Anonymous

    Wir freuen uns wieder sehr über eure spannenden Berichte und Bilder. Einfach beeindruckend, eure Caracol wiederzutreffen, mit der so viele Erinnerungen verbunden sind. Wir wünschen euch weiterhin viele schöne Erlebnisse.
    Ganz liebe Grüße von euren Hamburgern

  • Elke Rodegerdts

    Und wieder ein spannender Bericht mit so beeindruckenden Bildern! Wir sind begeistert und danken euch, dass ihr uns mitnehmt ins schöne Norwegen.
    Mit lieben Grüßen aus Hamburg