Sommer 2021 – Teil 1 2


Bodø – Rørstad

Wir haben Inua gestern Abend schon klar gemacht und auch schon Proviant eingekauft, d.h wir können direkt nach der Arbeit los. Die ganze letzte Woche hat es fast an einem Stück durchgeregnet und wir waren froh, dass wir da noch nicht Urlaub hatten. Auch heute ist es bewölkt und unterwegs werden wir wahrscheinlich auch noch nass werden. Aber wir haben guten Segelwind und schlagen einen Kurs noch Norden ein – da soll das Wetter die nächsten Tage besser sein 🙂 Wir kommen gut voran, bis wir ins Lee der Landegode kommen, da verschwindet dann der Wind völlig und wir starten den Motor. Kurz nach Karlsøyvær beginnt es dann zu nieseln. In Rørstad hat es noch Platz an der Gästebrücke (nur die äussere Seite ist in diesem Zeitraum für Gäste) und Enno legt ein super Anlegemanöwer hin. Hier ist es flach und eng. Es nieselt immer noch und wir mummeln uns ein mit Heizung an.

Den ganzen Samstag regnet und nieselt es im Wechsel, nur aufhören tut es nie. Am Nachmittag wagen wir uns trotzdem für einen Spaziergang nach draussen. Es ist schön, aber wir kommen patschnass zurück.

Rørstad – Brennviksanden

Am Sonntag regnet es noch am Vormittag, aber dann klart es auf, so dass wir nochmal eine kleine Wanderung machen können. Wir gehen wieder den Hügel rauf wie gestern und auf der anderen Seite zum See runter und durch das Dorf zurück. Es ist schön, aber es ist gut, dass wir (wie schon gestern) mit Gummistiefeln los sind, denn es ist überall nass und teilweise steht das Wasser in den Moorgebieten.

Nachmittag tuckern wir mit Motor nach Brennviksanden. Es ist null Wind und die Sonne zeigt sich ab und zu mal kurz. Von dem versprochenen schönen Wetter ist allerdings nichts zu sehen. Diese riesige Ankerbucht hat Enno gestern auf der Seekarte entdeckt. Um uns herum sind hohe Berge und wir zählen 8-9 Wasserfälle. Es ist gigantisch hier. Leider kommen die Wolken immer tiefer und bald sind wir völlig im Nebel.

Für den nächsten Tag war eigentlich Sonne gemeldet, der Nebel steigt zwar etwas im Laufe des Tages, aber die Gipfel der Berge sehen wir kein einziges Mal. An Deck ist es patschnass als wir das erste Mal rausgehen. Wir fahren mit dem B an Land und machen eine kleine Wanderung an einem der Wasserfälle entlang. Es ist wieder mal gut, dass wir mit Gummistiefeln unterwegs sind. Wir sinken oft tief ein oder müssen durch Moorgebiete, tiefe Pfützen und kleine Bäche waten. Es ist trotzdem eine nette Tour und wir gehen so weit, bis wir den Nebel erreichen. Nachmittags fahren wir nochmal mit dem B an Land und ich hab die glorreiche Idee, dass wir uns den letzten Rest, als wir den Motor hochgeklappt haben, an den Strand treiben lassen. Dummerweise hat sich das B quer zu den Wellen gelegt, eine Welle brach dann und wir haben eine ordentliche Dusche abbekommen. Mist! Wir gehen an dem langen Sandstrand spazieren. Es hat einige Flüsse, die von den Bergen kommen und ins Meer laufen und richtig tolle Sanddünen. Es ist sehr schön hier, nur leider schaukelt Inua eigentlich die ganze Zeit hin und her, da die Bucht sehr offen ist und die ganze Dünung hereinkommt. Als wir wieder an Bord sind beschliessen wir, dass wir lieber am anderen Ende der Bucht ankern. Da liegen wir hinter einen kleinen Insel und es ist viel ruhiger. Abends werden wir dann wieder von dichtem Nebel eingelullt, man sieht das Land nicht mehr, obwohl wir nicht so weit davon weg sind. Auf der Wettermeldung über Funk wird “gute Sicht” gemeldet – gestern schon. Wir wundern uns. Speziell da wir gestern einen Funkruf mitbekommen haben, der schon angedeutet hat, dass es auf dem Vestfjord auch neblig ist.

Brennviksanden – Dalsvær

Wir wachen zu Sonnenschein auf und man sieht die Gipfel der Berge,juhuu 🙂 !! Allerdings hat sich die Anzahl Wasserfälle halbiert. Durch die Grøtøyleia und vorbei an Nordskott (wo ein schönes Holzsegelschiff ankert) machen wir weiter auf den Weg nach Dalsvær. Auf dem Plotter sehen wir, dass Patos dort ankert. Nett, die zu treffen. Die sind aus Tromsø, machen aber immer bei der NOR (Nordland Offshore Race) mit und waren auch mit uns zusammen beim ISAF Sicherheitskurs vor ein paar Jahren. Wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen, aber die kommen schon raus auf den Vestfjord, als wir noch ein gutes Stück entfernt sind. In Dalsvær liegen inzwischen 2 von diesen komischen Pantoons aus, so dass wir weiter vorne ankern, als letztes Mal, als wir hier zusammen mit Celsius waren. Im Laufe des Nachmittags/Abends kommen noch 3 weitere Segelboote und ankern. Wir hängen die Hängematte auf und sind faul. Enno badet sogar einen Runde, aber mit 16 Grad find ich das Wasser nicht so einladend. 

Dalsvær – Haversand

Wir machen einen kleinen Abstecher von Dalsvær nach Straumhavn, aber da liegen schon 2 Segelboote am Strand vor Anker und noch einige Motorboote verteilt in der Bucht. Wir wollten sowieso nicht bleiben, da es Wind hat, um über den Vestfjord zu kommen. Es ist tolles Wetter und wir starten mit 8 Knoten Fahrt. Leider wird der Wind immer weniger und nach ca 2/3 über den Fjord holen wir die Segel ein und starten den Motor. Schade. Wir fahren weiter zum Trollfjord, aber da ist kein freier Platz am Steg. Es sind sehr viele Boote hier drin, so dass es auch nicht ganz so gemütlich wäre. Unser Ankerplatz am Eingang zum Raftsund (waren da letztes Jahr) ist etwas zu ausgesetzt von der Windrichtung – inzwischen hat es nämlich wieder Wind, der durch den Raftsund bläst. Also machen wir uns auf dem Weg durch den sehr schmalen Helløysund zu dem schönen Ankerplatz bei der Store Molla bei Haversand. Auch hier am Ankerplatz ist es ganz schön voll. Vor jedem Strand ankern mehrere Motorboote, und es sind viele Leute am Strand. Eine Weile nach unserer Ankunft taucht Patos auf und ankert ein Stück von uns entfernt. Das ist nett. Aber schon nach kurzer Zeit ziehen sie ihren Anker wieder hoch und wir wundern uns. Aber dann sehen wir, dass eines von den am Strand geankerten Motorbooten abtreibt und die das Boot einfangen und bei sich festmachen. Es dauert etwas, bis der Besitzer in einem Gummiboot angefahren kommt und sein Boot wieder zum Strand fährt und sein Ankerglück aufs Neue versucht ;-). Wir machen uns mit dem B auf den Weg nach Brettesnes, kommen allerdings nicht bis ganz dahin und laufen noch ein Stück auf dem Weg. Auf dem Rückweg mit dem B schauen wir noch kurz bei Patos vorbei um Hallo zu sagen. Wir machen uns einen gemütlichen Abend im Cockpit. Leider sieht die Wettervorhersage nicht so toll aus. Als wir los sind sah es so aus, als ob mit der Zeit im Norden besseres Wetter sein sollte, nun sieht es so aus, als ob es im Süden besser wird.

Als wir am nächsten Morgen aufwachen scheint die Sonne und der Himmel ist blau, aber es ist kühler geworden und es bläst. Wir bleiben noch einen Tag länger hier, nutzen das trockene Wetter, um unser neues Solarpanel zu installieren. Wir haben ja die alte Rettungsinsel entfernt, und da kommt es hin. Das gibt uns dann immer genug Erhaltungsladung wenn Inua im Hafen liegt und wir brauchen den Landstrom nur noch im Winter einzustecken. Ausserdem testen wir den Watermaker, aber ausser dass der einen enormen Lärm macht, funktioniert der nicht. Das nächste Winterprojekt ist somit klar: Wir bauen unseren alten wieder ein, den wir auf der kleinen Inua hatten. Am Spätnachmittags fahren wir mit dem B zum Strand und laufen auf der Strasse in die andere Richtung bis wir einen Blick auf den Helløysund haben, durch den wir gekommen sind. Unterwegs zeigt mal ein Schild auf einen Wanderweg, aber da ist nichts von einem Weg zu sehen, alles zugewuchert. Auf dem Rückweg mit dem B zu Inua werden wir etwas nass. Mit dem B gegen die Wellen ist nicht so gut, es hat 20 Knoten Wind. Eigentlich war das heute ein Tag wie in der Karibik: wir ankern, Inua schwingt hin und her und wir arbeiten was am Boot. Wir sitzen noch draussen bis die Sonne hinter den Bergen verschwindet, eingemummelt in Decken und geniessen “Vitamine” (allerdings ohne die Vitamine. (Gin Tonic haben wir auf den Azoren immer Vitamine genannt, da eine Limette drin war).

Haversand – Gullvika

Auch heute Nacht hat es geblasen, dafür ist es wieder etwas wärmer. Gegen 11 Uhr brechen wir auf. Wir wollen eigentlich nur auf die andere Seite der Store Molla, nach Gullvika. Wir schauen noch kurz in Brettesnes vorbei, um zu sehen wie es vom Wasser aus aussieht. In Gullvika legt gerade ein Segelboot (Blå) ab und wir übernehmen den Platz. Sonst ist nur noch ein Motorboot auf der anderen Seite vom Steg, aber da ist niemand an Bord. Die kommen später zurück und haben 2 “Nansen”-Hunde dabei. Kuschelig weiss, die sehen aus wir kleine Eisbären. Später kommt noch ein Segelboot aus Svolvær, einer der hier an dem Steg mitgebaut hat. Wir machen noch einen kleinen Spaziergang, bevor die Sonne verschwindet. Heute war ein Sonne-Wolken Mix, aber es hat noch nicht (wie angesagt) geregnet 🙂

Gullvika – Ballstad

Die Wolken hängen tief und es ist kühler geworden. Wir kommen gegen 11 Uhr los. Nachdem wir nördlich an Skrova vorbei sind können wir die Segel setzten. Bei Kabelvåg verschwindet der Wind (wie auch immer beim Vestfjordseilas), nur um dann plötzlich zurückzukommen, gerade als ich dabei bin uns ein paar Brote zu schmieren. Schwupp, kommt mir alles entgegen, konnte aber alles vor dem Absturz auffangen. Super Segelwind und tolles segeln.- Eigentlich wollten wir nach Stamsund, aber da es gerade so gut läuft segeln wir weiter und gehen nach Ballstad. Das Wetter wird immer besser und es kommen immer mehr blaue Stellen am Himmel raus. Wir nutzen die Gelegenheit und gehen einkaufen, leider ist die Tür zur Marina zu, als wir zurückkommen. Zum Glück steht eine Telefonnummer da und nachdem ich mit einem Mann telefoniert habe, schickt der seinen Opa auf dem Fahrrad um uns reinzulassen. Der erzählt uns dann auch wo wir einen Schlüssel hätten finden können, wenn wir genauer geschaut hätten 😉 Wir machen uns einen gemütlichen Abend unter Deck mit Heizung an 🙂

Ballstad – Værøy

Nachts hat es geregnet, aber als wir aufstehen hat es blaue Stellen am Himmel. Es bläst noch immer und Inua wird an den Steg gedrückt, aber das Ablegen mit Spring klappt gut. Gutes Wetter und guter Segelwind. Den Motor brauchen wir heute nur zum Ablegen und Ankern.Wir haben kurz überlegt, ob wir weiter bis nach Røst sollen, dann hätten wir morgen einen kürzeren Trip nach Myken. Für heute und morgen ist noch Nordwind gemeldet, danach dreht der Wind auf Südwest und da wollen wir nicht dagegen ansegeln. Aber wir haben Lust auf ankern bei Værøy, ausserdem müssten wir auf Røst, mangels guter Ankerplätze, im Hafen liegen. Dieses Mal ankern wir in der anderen Bucht. Wir machen uns sofort nachdem der Anker gesetzt ist auf den Weg an Land (die französische Methode, allerdings haben wir den Anker gut festgezogen – der hält!). Es dauert nicht mehr lange, bis die Sonne hinter den Bergen verschwindet und wir wollen noch etwas Sonne am Strand haben. Also sind wir sogar mit Segelklamotten unterwegs, nur die Segelstiefel haben wir mit Gummistiefeln ausgetauscht. Hier ist es total flach zum Land hin und wir müssen schon früh aus dem B raus, da wir aufsetzten. Die Wellen kommen aber trotzdem noch so hoch, dass Enno sich einen Gummistiefel auffüllt 😉 Ich war schneller. Tagsüber unterwegs war es etwas kühl, aber am Strand hier ist es schön warm. Ein langer schöner weisser Sandstrand mit grossen Felsbrocken, Strandhafer und vielen Vögeln. Es ist das Paradies hier 🙂 Es gibt auch eine hohe Grotte, die allerdings nicht tief in den Berg geht. Beeindruckend ist sie trotzdem und auch die hohen Berge, wenn man als kleiner Mensch am Strand steht. Es ist wirklich toll hier und wir sind froh, dass wir nicht weiter nach Røst sind.

Morgen verlassen wir die Lofoten und es geht weiter nach Myken.


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2 comments on “Sommer 2021 – Teil 1

  • MuPa

    Beeindruckende Bilder und das Geschriebene lassen uns eure Erlebnisse mitverfolgen. Weiter so, wir freuen uns auf Weiteres!
    Herzliche Grüße vom Schwabenländle
    Mama & Papa

  • Elke Rodegerdts

    Das sind mal wieder spannende Urlaubstage mit Sonne, Wind und hohen Wellen. Die Lofoten sind einfach grandios und der weiße Strand gibt euch das Karibikfeeling. Wunderschön!
    Wie freuen uns auf eure nächsten Erlebnisse und Fotos und schicken euch ganz liebe Grüße aus Hamburg, eure Ilka und Elke