Isfjord 5.7. – 13.7. 2


Longyarbyen

Es ist kalt heute und es nieselt. Enno und Rolf spülen den oberen Teil vom Rollsystem vom Vorsegel mit warmem Wasser, bis es im Kugellager nicht mehr knirscht, danach wird es ordentlich geschmiert. Wir ziehen das Segel wieder hoch und testen, ob es sich jetzt besser rollen lässt. Funktioniert zum Glück, so dass wirklich Salz und Staub darin das Problem waren und nichts wirklich kaputt ist. Da sind wir froh, denn es wäre schwierig hier an neue Ausrüstung zu kommen.

Mit dem Auto von Kristine fahren wir zuerst ein Stück weit ins Longyardal, danach ins Adventsdal entlang der stillgelegten Kohlegruben. Die sind nummeriert und Nummer 7 ist noch in Betrieb. Wir kommen bis dorthin, aber dann endet die Strasse. In der Stadt hat es normale geteerte Strassen, aber wenn man weiter raus kommt ist es nur noch eine breite Schotterstrasse, auf der es sich aber gut fahren lässt. Wir kommen vorbei an kleinen Teichen, um die sich viele Vögel gesammelt haben. Zum grossen Teil sind es hvitkinngås (Weisswangengans) aber wir sehen auch ein Pärchen Lom (Sterntaucher). Rolf erzählt, dass die selten sind und eigentlich nur im Norden und hier auf Spitzbergen brüten. Wir kommen ausserdem an einigen Husky-Farmen vorbei. Da hat jeder Husky seine eigene kleine Hütte in einem eingezäunten Gebiet. Einmal kommt uns eine Husky- Kutsche entgegen 😉 Die Huskys wollen ja auch im Sommer bewegt werden. Das Adventsdal ist ein sehr langes und flaches Tal, bis es Richtung Grube 6 und 7 wieder ansteigt. Von Grube 7 aus hat man eine gute Aussicht nach Longyarbyen und den Isfjord.

Die Franzosen an denen wir längsseits liegen, wollen gegen 15 Uhr ablegen, so dass wir bis dahin wieder an Bord sind. Ich bleibe auf dem Steg, um die Taue entgegen zu nehmen, während Enno und Rolf ablegen. Die Innenseite vom Hafen ist ziemlich schmal und es wird schnell flach, so dass Inua ganz rausfahren muss auf die Aussenseite. Bei den Franzosen an Bord tut sich erstmal nicht viel, und ich frage, auf was sie warten – auf den Skipper, aha. Der kommt nach einer Weile, aber in der Zwischenzeit spekulieren die Franzosen (das Boot heisst Kawann) ob die beiden mich vergessen haben. Hahaha, ich erkläre ihnen, dass ich der Koch an Bord bin…

Jetzt liegen wir direkt am Steg und haben Fender auf die Aussenseite gehängt, falls ein neues Boot sich an uns legen will. 

Hier liegen Boote in allen Grössen am Steg, riesige Alu-Boote und ein winziges (9m) französisches  Regattaboot. Erstaunlich, dass die damit über die Barentssee gekommen sind. Wir sind uns einig, dass man da speziell interessiert sein muss, und das zu wagen. Es liegt auch eine 31 Fuss Hallberg-Rassy vor uns, so gross wie die kleine Inua. Wir reden ein wenig mit dem Pärchen aus Luxemburg. Die haben ca 60l Diesel und heizen nur für eine kurze Zeit am Abend. Ich bin froh, dass wir mehr Diesel haben und heizen können, wenn es uns kalt ist 😉

Nachmittags fahren wir in die andere Richtung, in Richtung Bjørndal. Vorbei am Flughafen und dem Campingplatz, der genau vor dem Flughafen platziert ist. Wir haben versucht auf den Platåfjell zu kommen, dort stehen alle möglichen Antennen und Ausrüstung, aber der Weg dahin ist gesperrt. Wir kommen am “Svalbard Global Seed Vault” vorbei, das im Februar 2008 eröffnet wurde. Hier sind  Samen von allen möglichen Pflanzen 120 Meter tief im Berg gelagert. Der Eingang war eine ehemalige Kohlengrube, die noch weiter in den Berg verlängert wurde. Dort hat es konstant -18 Grad und soll die Samen vor Naturkatastrophen wie z.B der Anstieg des Meeresspiegels oder einer nukleare Katastrophe schützen. Wer weiss, ob dieses Lager nicht einmal in der Zukunft die Menschheit retten kann/muss. 

Auf dem Weg ins Bjørndal sehen wir wieder ein paar Hundekutschen und an einer Stelle müssen die Leute aus der Kutsche anschieben helfen, da die Hunde es nicht schaffen. Später überholen wir sie wieder. Im Bjørndal haben die Einwohner von Longyarbyen ihre Hütten. Die stehen gut sichtbar verteilt in der Landschaft. Es gibt auch hier keine Bäume oder Büsche und die Landschaft ist ziemlich karg und trostlos, aber die Aussicht über den Isfjord und die Berge und Gletscher ist grandios. Als der Weg zu holprig wird, drehen wir um. Abends gehen wir in der Kroa zusammen Essen. Die erste Mahlzeit, die ich nicht selber zubereiten muss!! Ich geniesse es, ist auch superlecker: der “catch of the day” ist Entenbrust in Weissweinsosse mit kleinen Kartoffeln und Spargel 🙂

Als wir am nächsten Morgen aufstehen entdecken wir, dass Qilak ausserhalb vom Hafen ankert. Ich schicke eine SMS an Phil, aber da die sicher die ganze Nacht unterwegs waren schläft er wohl. Ich bekomme jedenfalls keine Antwort. Wir haben uns mit Kristine vor dem Nordpolet (vinmonopol in Longyarbyen) verabredet. Hier kann man nur einkaufen, wenn man ein Rückflugticket vorzeigen kann, was wir ja nicht haben. Die Einwohner von Longyarbyen haben eine “klippekort”, das ist eine Art Jahreskarte, wo bei jedem Einkauf ein Loch pro Monat und Kontingent aus der Karte gestanzt wird. Das ist echt speziell. Man braucht diese Karte für stärkeren Alkohol (Schnaps, Whisky, Cognac usw) und Bier. Wein kann man einfach so kaufen. Danach teilen wir uns auf, so dass wir für uns selbst durch die Läden bummeln können. Wir kaufen uns eine Retro-Thermoskanne mit 78*N und Svalbard drauf. Rolf kauft sich eine wärmere Jacke und eine Mütze, da er seine irgendwo im Pub gestern verloren hat.

Abends gehen wir mit Kristine Essen, zum Dank, dass sie uns ihr Auto geliehen hat. Rolf wollte es eigentlich waschen gehen in einer Waschanlage, aber die ist gerade kaputt. Den Tank hat er mit 8 Liter aufgefüllt. Hier gibt es ja nicht so viele Strassen und keine so weiten Strecken.

Qilak war schon wieder weg, als wir zurück im Hafen waren, aber wir konnten noch kurz mit Phil über VHF sprechen… er kommt morgen zurück nach Longyarbyen, aber da sind wir dann nach Plan schon weg.

Longyarbyen – Trygghamna

Gegen 11:30 Uhr kommen wir los, nachdem wir noch 250l Diesel und Wasser aufgefüllt haben. Der Diesel kostet hier 14,45 NOK/l. In Andenes waren es über 20 NOK/l).

Wir tuckern an der Südseite vom Isfjord entlang, vorbei an steilen Felswänden, die herrlich grün sind. Das liegt daran, dass Vögel in den Steilhängen ihre Nistplätze haben und der Vogeldung die Landschaft aufblühen lässt. Wir passieren Grumantbyen, eine ehemalige russische Kohlengrubenstadt, die 1919 eröffnet wurde und zwischen 1926 und 1930 geschlossen war. 1950 war sie wieder in Betrieb und über 1000 Leute haben dort gearbeitet und gelebt. Seit 1962 ist die Grube geschlossen und die Häuser verfallen immer mehr.

Auf der Südseite vom Isfjord ist eigentlich kein so schlechtes Wetter, aber als wir über den Fjord auf die Nordseite kommen, hängen die Wolken tief.  Und es regnet und wird immer nebeliger. Da wir ohnehin den Gletscher weiter drinnen bei diesem Wetter nicht sehen können, ankern wir weiter vorne in der Bucht, in der Nähe von einem historischen Wrack, das allerdings so tief liegt, dass wir es weder sehen noch uns Sorgen machen müssen, dass wir dagegen stossen. Hier liegen wir OK und es ist kein so weiter Weg raus auf den Isfjord, wenn wir morgen weiter gehen. 

Kondensbildung an Bord ist echt ein Problem. Jeden Morgen ist das Holz unter unserer Matratze feucht. Auf der Innenseite vom Rumpf der unter der Wasserlinie liegt läuft das Wasser runter. Auch an den Holzwänden, die direkt am Rumpf unter der Wasserlinie befestigt sind laufen Wasserspuren runter. Da müssen wir wohl mit leben, so lange die Wassertemperatur so um die 1*C ist.

Morgen geht es weiter ins Prins Karls Forland, wir hoffen auf besseres Wetter, aber es ist Regen und schlechte Sicht angesagt.


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2 comments on “Isfjord 5.7. – 13.7.

  • MuPa

    Es ist wie immer spannend euren Blogeintag zu lesen und so an den Erlebnissen Teil zu haben.
    Liebe Grüße an euch Drei vom sehr heißen Süden.

    MuPa

  • Elke Rodegerdts

    Eine ungewöhnliche Welt und Landschaft, die ihr mit dem Auto entdecken konntet. Wir folgen euch gespannt. Liebe Grüße von Ilka und Elke