Ny Ålesund, Kongsfjord, Krossfjord, 79˚N 15.7. – 17.7. 1


Engelsbukta – Ny Ålesund

Als wir gestern Abend ankamen hat der Wind von NW geblasen und dann auf einmal nach O gedreht. Da verschwand dann der Schwell rasch und wir hatten eine sehr ruhige Nacht am Anker. Super Wetter mit Frühstück im Cockpit. Leider sagt jetzt unser VHF, dass es ein Software-up-date will. Irgendwie ist immer irgendwas. Ziemlich stressig für Enno, wenn Dinge nicht zuverlässig funktionieren. Aber wir haben 2 Handfunkgeräte an Bord und Rolf hat auch noch eines dabei, aber die haben natürlich nicht so viel Reichweite. Enno bastelt am Lader für unser altes Handfunkgerät, während ich am Festmontierten rumprobiere. Schraube den Stecker ab und wieder dran und plötzlich funktioniert es wieder. Aber so richtig zuverlässig ist das ja nicht. Wir haben kein Internet bevor wir wieder nach Longyarbyen kommen, da müssen wir dann mal schauen, ob wir irgendwie an das Software up-date kommen.

Kein Wind, als wir starten, aber als wir in den Kongsfjord kommen, kommt Wind auf und wir setzten Segel, obwohl der Wind fast direkt von vorne kommt. Das Achterlik und das Unterlik vom Vorsegel schlackern und als es weniger Wind wird kann Enno die Linien strammen. Im Kongsfjord denken wir erst, dass wir grosse Kreuzfahrtschiffe sehen, es zeigt sich aber, dass das riesige Eisberge sind! Und es werden mehr! Kurz vor Ny Ålesund hat es mal wieder rotes Wasser, ein relativ langes Stück mit einer scharfen Grenze im Wasser. Supercool. Ich steh vorm Mast und halte Ausschau nach Eisbrocken. “Life Song” kommt aus dem Hafen kurz bevor wir ankommen (mit denen haben wir schon in Bodø im Hafen geredet). Das passt perfekt, dann können wir da anlegen. Hier gibt es sogar einen Hafenmeister. Wir füllen unseren Dieseltank wieder auf (80l). Hier ist der Diesen nochmal 2 Kronen billiger. Wasser und Strom sind hier inklusive. Hier bekommt man eine Papierrechnung für Diesel und Hafengebühr – das hatten wir lange nicht mehr. Ich glaube zuletzt auf unserer Langtour 2015/16. Hier gibt es ein Museum (gratis und immer geöffnet), einen Laden mit Souvenirs und Süssigkeiten und ein Pub, das samstags geöffnet hat.

Wir duschen erstmal ausgiebig, mal wieder mit Harre waschen. Und es ist so warm im Cockpit – ohne Zelt- dass die Haare schnell trocken sind.

Wir machen “sveler” (kleine norwegische Pfannkuchen) und Rolf macht dasselbe freudige Gesicht wie Enno, als ich den Vorschlag mache 😉

Karakela kommt in den Hafen, sie wollen sich zuerst an den kleinen Quersteg legen, aber Enno winkt und sie legen sich hinter uns. Da ist gerade noch Platz für das 9 Meter lange Segelboot von denen. Wir laden die beiden zu sveler ein. Nettes Paar und wirklich speziell interessiert, dass die mit so einem kleinen Boot hierher gesegelt sind. Die haben weder Dusche noch WC an Bord.

Im Dorf kann man sich ohne Waffe und Eisbärschutzausrüsting bewegen und wir machen uns auf den Weg. Schon am Hafen steht, dass man hier sein Handy in den Flugmodus schalten soll, alles WiFi und Bluetooth muss abgeschaltet sein, so dass man nicht die Messungen der vielen Forschungsstationen stört. Auch das HF-Radio können wir hier nicht benutzten, das wäre noch schlimmer. Internet gibt es über ein Kabel an einem Gebäude ein Stück weiter oben. Allerdings haben wir keinen Anschluss an unseren Mac´s, so dass wir die nicht benutzen können. Wir haben unser altes Windows-Laptop von der Langtour mit an Bord, das man einstecken kann. So können wir Wetterberichte holen, aber auf dem Rechner haben wir kein Facetime oder Skype, so dass wir keine Geburtstagsgrüsse nach Haubersbronn schicken können. Aber in Gedanken sind wir dort 🙂

Hier sieht es ganz anders aus, als in Longyarbyen, viel freundlicher und nicht so industriell wie in Longyarbyen. Alle Häuser haben unterschiedliche Farben und es sieht einfach einladend aus. Gleich am Hafen steht ein Schild, dass man sich nur auf den Strassen bewegen soll, da hier viele Vögel, vor allem Seeschwalben, nisten. Die gehen gerne auf einen los, wenn man sich dem Nest nähert. Die können ganz schön aggressiv sein. 

Das Museum ist sehr informativ und wir verbringen eine Weile dort. Danach gehen wir durchs Dorf bis wir zu den Schildern kommen, die sagen, dass man ab hier eine Waffe dabei haben muss. Hier hat es Forschungsstationen, die von vielen Ländern betrieben werden: Norwegen, Deutschland, Frankreich, China und noch ein paar andere.

Von 1916 bis 1929 war die nördlichste Kohlegrube der Welt in Ny Ålesund. Im Mai 1926 startete das Luftschiff Norge von Ny Ålesund aus seine Reise Richtung Nordpol. Ein Mast steht noch in der Landschaft als Erinnerung.

Am Abend kommt ein schönes altes Holzschiff an (ist allerdings ein Nachbau und nicht so alt wie man denkt) und wir reden mit dem dänischen Kapitän. In der Zwischenzeit hat sich ein grosser Eisberg in der Hafeneinfahrt auf Grund gesetzt. Wir sind gespannt, wieviel von dem morgen früh noch da ist. Hier im Kongsfjord hat es Unmengen von Eisbergen, aber hinter der Kaimauer liegen wir gut beschützt. Wir sitzen ewig draussen im Cockpit, das muss der wärmste Tag des Jahres hier sein.

In der Nacht hat es geregnet und ich dachte schon, dass jetzt Schluss ist mit dem schönen Wetter, aber als wir aufstehen ist es warm im Cockpit und die Sonne scheint 🙂 Der Eisberg ist um einiges kleiner geworden und liegt jetzt auf der anderen Seite am Ufer.

Heute ist der Hafenmeister eine junge Frau, die machen das abwechselnd, sie ist eigentlich Elektriker und arbeitet mit am Ausbau der Kaianlage. Sie erzählt uns, dass heute morgen ein Eisbär, der der Stadt zu nahe kam verjagt wurde. Das haben wir verschlafen, und auch nichts davon gehört.

Wir nehmen die Wumme mit und machen uns auf dem Weg zum Amundsen-Turm (Vertäuungs-Mast vom Luftschiff). Enno und ich gehen noch ein Stück weiter, während Rolf  zurück und in den Laden geht. Nach einer Weile drehen wir um und gehen auf der anderen Strasse weiter in das Tal hinter Ny Ålesund rein. Jedes Mal, wenn man sich aus dem bebauten Gebiet heraus bewegt, muss man die Waffe laden. Durch die “Stadt” muss man allerdings die Munition herausnehmen und das Schlussstück aus seiner Position lösen, so dass alle sehen, dass die Waffe nicht geladen ist. Etwas umständlich, wenn man an verschiedenen Stellen aus der “Stadt” raus will. Wir sehen keinen Eisbären, dafür werden wir von Seeschwalben angegriffen, es hilft das Gewehr über den Kopf zu halten, da kommen sie einem nicht so nahe. Wir sehen einen Polarfuchs, der nicht sehr scheu ist und relativ nah kommt. Hier gibt es übrigens Tollwut, was es in ganz Norwegen sonst nicht gibt. Wir sehen mehrere Seehunde, die es sich direkt am Strand im Wasser gemütlich machen. Und wir sehen den Fluss, der das Wasser im Fjord rot färbt. Auf dem Rückweg kommen wir am Laden vorbei, der sogar noch geöffnet ist. Wir gehen rein, haben aber keine Bezahlmöglichkeit dabei, so dass wir später nochmal wiederkommen. Ein paar Andenken an hier brauchen wir schon!!

Inzwischen ist Bushpoint, das schwedische Segelboot, das mit uns im Fridtjofshavna geankert hat, angekommen. Wir gehen vorbei und sagen Hallo. Nette Leute und wir verabreden uns für heute Abend im Pub. Wir haben Glück, dass wir ein Privatboot sind. Leute die mit Charter-Schiffen hier sind, dürfen nicht ins Pub.

Enno entdeckt, dass ein grosser Eisberg am Strand hinter/vor der Mole auf Grund gegangen ist und fotografiert ihn. Er bringt auch etwas Eis mit und wir trinken Whisky und Calvados an Bord, bevor wir ins Pub gehen.

Im Pub ist es ziemlich dunkel, als wir vom Sonnenlicht geblendet hineingehen. Schuhe aus am Eingang, dasselbe wir im Laden. Lustig. Wir werden von einem Polen in Empfang genommen, mit dem Rolf schon tagsüber geredet hat, als er eine Hauswand angemalt hat. Er spendiert jedem von uns eine Münze, die hier das normale Bezahlungsmittel ist. Jede Holzmünze ist 25 Kronen wert und das kosten auch alle Drinks, egal ob Bier oder Gin Tonic. Ein netter Abend, der Pole stellt sich raus ist ein Kurde aus dem Irak. Die Schweden sind da und auch die beiden von Karakela. Ein netter Abend 🙂

Ny Ålesund – Krossfjord (79˚N) – Engelskbukta

Am nächsten Morgen liegt Antigua innen am Kai und der lange Bugsprit geht über die halbe Hafeneinfahrt. Gestern Abend hat es noch richtig viel Wing gegeben, so dass Staubwolken durch Ny Ålesund geblasen wurden. Zum Glück ist der Wind wieder weg und wir können ohne Probleme ablegen. Zum Glück schauen wir auch nach oben, als wir an Antigua vorbeikommen, deren Raen stehen ganz schön weit raus und wir hätten mit unserem Rigg daran hängen bleiben können. Kaum sind wir aus der Hafeneinfahrt raus ist der Fjord voller Eisberge. Es hat auch ein paar Kreuzfahrtschiffe, die Hafendame von gestern hat erzählt, dass heute 4 Kreuzfahrtschiffe ankommen sollen. Wir navigieren durch die Eisberge und machen einen Abstecher in den Krossfjord, zusammen mit einem der Kreuzfahrtschiffe (World Explorer). Hier hat es einen wirklich beeindruckenden Gletscher der kalbt. Enno hat einmal super viel Glück, als er mit der Kamera genau an der richtigen Stelle ist, als ein riesiges Stück abbricht und ins Meer fällt. Es ist schwierig zu sehen, wo etwas abbricht, denn wenn man was hört ist der Brocken meist schon im Wasser und man sieht nur noch wie es spritzt. Wir lassen uns zwischen den Eisbergen treiben, stossen ein paar mit dem Bootshaken weg, bzw wir drücken Inua weg, denn die Eisbrocken wiegen ein paar Tonnen mehr als Inua (und die wiegt schon 13-15Tonnen). Auf dem Weg in den Krossfjord erreichen wir 79˚N. Ab jetzt geht es wieder in den Süden. Wir haben eigentlich die Erlaubnis in Virgohavn, einiges weiter im Norden, an Land zu gehen und da wollten wir eigentlich auch hin, aber mit dem VHF das nicht zuverlässig funktioniert, ist uns das zu unsicher. Walrösser haben wir auch gesehen, d.h. deshalb müssen wir nicht nach Moffen, das noch weiter im Norden und Osten liegt. 

Karakela wollen es heute bis in den Magdalenefjord schaffen, 50nm mit Gegenwind. Bushpoint ankern bei der Blomsterhalvøya, aber da ist uns zu viel Eis. Die haben ein Aluminiumboot und sind da etwas entspannter. Die wollen morgen weiter nach Norden. Da ist ordentlich Wind von Süden angesagt.

Als wir aus dem Fjord rauskommen können wir segeln, zumindest eine Weile. Wir legen uns wieder in die Engelskbukt, dieses Mal auf die Südseite, um im Le der Berge zu liegen. Kann sein, dass der Wind über den Gletscher bläst, aber das werden wir dann sehen. Noch bläst es von Norden und es ist etwas schaukelig, aber ab morgen früh soll es von Süden blasen…


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One comment on “Ny Ålesund, Kongsfjord, Krossfjord, 79˚N 15.7. – 17.7.

  • Elke Rodegerdts

    Spannenede und schöne Erlebnisse, die wir mit Begeisterung lesen. Wir freuen uns auf die nächsten, Ilka und Elke