Isfjord 22.7. – 27.7. 1


Trygghamna

Am nächsten Morgen können wir die Berggipfel sehen, juhu!! Kein Sonnenschein, aber viel besseres Wetter als gestern als wir ankamen. Ist allerdings nicht schwierig das zu übertreffen ;-). Wir fahren mit dem B an Land, dieses Mal haben wir auch die Drohne mit. Gerade als wir mit dem B angelegt haben ist ein riesiges Stück vom Gletscher abgebrochen und in die Lagune gefallen, was eine ordentliche Flutwelle gegeben hat. Cool, dass wir das alle sehen konnten!!

Heute sieht es an der Gletscherwand ganz anders aus, als noch vor 2 Wochen: jetzt fliesst ein Fluss am Fuss der Moräne, an der wir letztens noch lang gelaufen sind. Enno lässt die Drohne fliegen und macht Filme und Bilder von der Gletscherwand. Auf einem Eisbrocken entdecken wir einen Seehund, der sich ausruht. Der wird auch fotografiert von der Drohne, aber wir halten grossen Abstand, damit wir ihn nicht erschrecken oder stören. Es ist kühl heute. Schon bevor wir mit dem B los sind, haben die Sysselgutter mit ihrem Boot an Land angelegt und sind Richtung See gelaufen. Als wir schon wieder zurück an Bord sind, kommen sie zurück. Sie angeln am Ufer entlang auf dem Weg zu ihrem Boot. Sie legen ab und eigentlich wollen sie nichts von uns, aber wir winken und sie kommen vorbei. Wir laden die beiden zu Kaffee un Schokoladenkuchen an Bord ein. Dieses Mal sind es 2 Polizisten, die zusammen unterwegs sind. Sollte wohl eigentlich ein Biologe und ein Polizist sein, aber anscheinend haben sich nicht genügend Biologen beworben diesen Sommer. Sie haben frei heute, ist Samstag. Rolf ist daran interessiert, ob sie Fisch (ishavsrøye aus dem See) gefangen haben – haben sie aber nicht. Sie erzählen, dass der See ziemlich dreckiges Wasser hat, d.h. dass die Fische die Köder an der Angel nicht sehen können. Das ist ja blöd. Wir bekommen aber ein paar Tips, in welcher Tiefe es am besten ist zu angeln. Wir haben unsere Fische ja bei ca 30 Metern bekommen, die beiden meinen 80 Meter wäre besser. Sie sind eine Weile bei uns an Bord und erzählen uns, dass um den 25.7. rum die Kücken die Nester verlassen und sich vom Vogelfelsen ins Meer stürzen – der erste Flugversuch, und wenn es nicht klappt sind die Füchse und Möwen klar um sich die Jungen zu holen, die es nicht schaffen:-(. Das muss ein grosses Ereignis sein. Wir beschliessen noch eine Weile hier zu bleiben, vielleicht bekommen wir das Ereignis ja mit. 

Später am Abend kommen die Sysselgutter nochmal zurück und fragen, ob wir Fisch wollen. Sie haben so viel gefangen (Dorsch) und haben keine Kühlmöglichkeit. Wir freuen uns und nehmen das Angebot dankend ans. Supernett, dass die extra nochmal zurück gekommen sind!!

Trygghamna – Isfjord Radio

Am nächsten Tag fahren wir langsam am Vogelfelsen vorbei, aber es sieht nicht so aus, als ob die Jungen die Nester schon verlassen. Wir überlegen eine Nacht in der Bucht beim Isfjord Radio zu ankern und morgen wieder hierher zurück zu kommen um zu sehen, ob die Jungvögel starten. Es dauert ca 2 Stunden über den Fjord. Enno und Rolf machen das heute alleine, denn ich hab mir irgendwie den Nacken verdreht letzte Nacht und kann den Kopf nicht nach rechts drehen und hab Kopfweh – nehm eine Tablette und verschlafe die Überfahrt. Ist besser als wir ankommen. Hier kann man Essen gehen, man muss es allerdings vorher bestellen. Enno sucht im Internet, findet aber nichts, wo man einen Tisch bestellen kann. Machen uns mit dem B auf den Weg an Land, aber wir bleiben nicht lange. Wir treffen auf einen Typ, der ziemlich unfreundlich ist, meinte wir hätten uns anmelden müssen, das B kann auch nicht da liegen wo es liegt….wir fühlen uns nicht willkommen und gehen zurück an Bord. Wir machen den Dorsch von den Sysselguttern mit Meerrettichsosse und Kartoffeln, mmmmm, lecker! Und zum Nachtisch Schokoladekuchen. Wir haben es gut. Der Typ an Land hat erzählt, dass sie gerade 3 Eisbären in der Gegend haben. Schauen immer wieder mit dem Fernglas an Land, aber wir sehen keine Eisbären.

Isford Radio – Trygghamna

Kein Wind am nächsten Morgens wir mit dem Motor an der Küste entlang tuckern und nach Eisbären Ausschau halten. Ein Hubschrauber schwebt eine Weile über einer vorgelagerten Insel, aber auch da sehen wir nichts.- Allerdings sind Eisbären empfindlich, was laute Geräusche betrifft und wenn welche da waren hat die der Hubschrauber sicher verjagt. Wir überqueren den Isfjord und zielen aufs Alkhorn, den Vogelfelsen. Vielleicht ist ja heute der “fugle-hopping”-Tag, aber wir sehen nichts. Als wir ums Eck kommen, sehen wir, dass die Sysselgutter an ihrer Hütte an Land sind, sie winken 🙂 Wir ankern dieses Mal wieder beim Wrack, weiter draussen im Fjord. Da ist es nicht so weit mit dem B an Land zum Vogelfelsen. Aber es ist trotzdem noch eine lange Strecke über den Fjord. Es ist immer alles weiter als man denkt hier. Gleichzeitig mit uns kommt ein Gummiboot vom Kreuzfahrtschiff (Rembrandt)  an. Das ist die Vorhut, die die Gegend sichern soll, dass kein Eisbär in der Nähe ist, bevor die Touristen an Land gehen. Einer ist aus Island und die Frau ist aus Deutschland. Reden kurz mit denen, aber als die ersten Touristen ankommen, haben die beiden andere Aufgaben. Die Sysselgutter kommen uns entgegen und sie laden uns ein auf dem Rückweg für einen Kaffee in der Hütte reinzuschauen. Jetzt müssen sie erstmal los und die Pässe der Passagiere kontrollieren. Neue Regeln. Sie erzählen auch, dass gestern ein Eisbär da war. Die spekulieren wohl zusammen mit den Füchsen, dass die Jungvögel ihr Nest verlassen und den Flug ins Meer nicht schaffen.

Wir gehen weiter in Richtung Vogelfelsen. Unmengen von Vögeln fliegen um die Felswand. Die Geräuschkulisse ist enorm. Die Landschaft ist speziell, von grau und trist ohne jegliche Vegetation bis supergrün unter dem Vogelfelsen. Das Wetter wird immer besser. Inzwischen sind 2 Gruppen mit Touristen an Land, die verschiedene Routen gehen, wir halten uns in der Mitte. Es ist schön hier, die Temperatur OK, so dass wir bestimmt 2-3 Stunden unter dem Vogelfelsen herumwandern. Leider ist aber auch heute nicht der “fugle-hopping”-Tag :-(.

Als wir zurück zur Hütte kommen, sind die beiden mit ihrem RIB beim nächsten Schiff. Wird also nichts aus dem Kaffee, schliesslich ist heute ein normaler Arbeitstag und sie müssen ihrer Pflicht nachgehen. Die Rückfahrt mit dem B zu Inua dauert ewig und wir werden auch etwas nass, denn der Wind hat gedreht und die Wellen kommen uns nun entgegen. Aber unter dem Cockpitzelt ist es warm und wir trocknen schnell wieder. Ist nur immer blöd, dass die Hülle von der Wumme nicht wasserdicht ist und die auch jedesmal Salzwasser abbekommt. Wir nehmen die Wumme immer aus ihrem Futteral und lasses sie einige Stunden an der Luft, bevor wir sie wieder verstauen. Das Wetter ist immer noch schön, obwohl es eigentlich schlechter angesagt ist. Wir freuen uns drüber 🙂

Trygghamna – Skansbukta

Bei den Vögeln tut sich nichts. Wir treffen die Sysselgutter, als wir Trygghamna verlassen und sie erzählen auch, dass sich noch keine Anzeichen zeigen, dass es bald losgeht…. Wir gehen weiter rein in den Isfjord. Blankes Wasser, kein Wind. Wir kommen am Svenskehuset am Kapp Thordsen vorbei. Können das Haus gut auf der grossen Ebene mit dem Fernglas sehen, aber die Küste geht über eine lange Strecke 20-30 Meter senkrecht hoch. Man fragt sich, wie die damals da angelegt haben, oder warum sie ausgerechnet diesen Platz für das Haus gewählt haben?!? Gebaut wurde es um phosphorhaltige Mineralien zu erforschen und abzubauen. Das Haus ist auch ein Schauplatz für tragische Überwinterungsunglücke auf Spitzbergen: 17 norwegische Seeleute wurden bei der Seehundjagd vom Eis überrascht, so dass sie diese Hütte als Notunterkunft benutzt haben. Sie sind allerdings nicht erfroren, verhungert oder vom Eisbären gefressen worden, sondern sind an einer Bleivergiftung gestorben, als sie die in Dosen gelagerten Lebensmittel in der Hütte gegessen haben. Wahrscheinlich haben sie den Inhalt der Dosen in den Dosen erhitzt und das Blei hat sich herausgelöst. Man hat wohl die Knochen gefunden und konnte einen hohen Bleigehalt nachweisen. Das Holzkreuz von der Grabstätte nach diesem tragischen Ereignis 1872-73 steht noch immer da und wir sehen es mit dem Fernglas.

Es ist windstill, bis wir in den Eingang vom Billefjord kommen. Da bläst uns der Wind direkt entgegen und auf der anderen Seite des Fjords hat es Schaumkronen auf den Wellen. Wir ankern in der Skansbukta, unter dem Berg Skandsen, was sich als eine wunderschöne Ankerbucht erweist und von Wind und Wellen draussen gut beschützt ist. Skandsen ist auch ein Vogelfelsen und es ist lebhaft um uns herum. Auf der südlichen Seite der Bucht hat es 3 Wasserfälle, die sich tief in den Berg eingegraben haben auf ihrem Weg ins Meer. Hier ist es ein kurzer Weg mit dem B an Land. Ein altes Schiffswrack liegt am Strand und es sind auch noch Reste vom Bergbau zu sehen. Hier wurde Gips abgebaut, aber als wir uns den Schienenresten nähern, sehen wir, dass die meisten Steine die unter den Schienen liegen aus Marmor bestehen. Es gibt noch einen Grubeneingang, der allerdings mit Brettern verschlossen ist. Nach einer Weile kommt ein Rentier dicht zu uns heran und posiert vor unserer Kamera. Die Berge um uns herum haben fantastische Formationen und Farben, es ist unbeschreiblich schön. 

Rolf versucht sich nochmal mit angeln von Land aus, aber leider beisst keiner an.

Abends lieg ich schon in der Koje um zu lesen, während Enno und Rolf sich noch einen Whisky gönnen. Ohne Eis allerdings, da keiner der beiden Eiswürfel von herkömmlichem Wasser akzeptiert – es muss schon ein paar Millionen Jahre alt sein 😉 – oder eben keins. Auf einmal ruft Rolf, dass Inua sich in der Bucht im Wasser spiegelt… hat sich da doch noch eine andere Hallberg-Rassy mit der gleichen Form wie Inua ganz leise hereingeschlichen. Keiner hat gehört, dass da noch ein Schiff angekommen ist und den Anker herausgelassen hat. Meist hört man den Propeller unter Wasser, aber auf jeden Fall die Ankerkette. Ist niemand an Bord zu sehen. Das Boot heisst “Lykken III” und wir fragen uns, ob wir nicht so eine HR 2011 in Sørgjeslingen getroffen haben… damals hatten die dann eine Katze an Bord.


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One comment on “Isfjord 22.7. – 27.7.

  • Elke Rodegerdts

    Wieder ein sehr ereignisreicher Bericht, den wir – wie immer – genießen. Wir freuen uns schon auf die nächten Erlebnisse.
    Eine fantastische Gletscherwelt, die wir sicher bald auch wieder auf den schönen Fotos von Enno bewundern können.
    Es grüßen euch eure Hamburger